Lokomotiven (FX Schmid) b

Quartettkarten von LokomotivenFX Schmid 52222 • 1973 • Titel: rot-weiße E-Lok • Dieses Jahr müssen die besinnlichen Bahnreisen zum Familientreff rund um den Adventskranz entfallen. Statt sich also in eine rollende Sardinenbüchse zu quetschen, holen wir doch mal ein Lokomotiven-Quartett aus normalen Zeiten hervor! Diese 1973er Ausgabe von FX Schmid erfreut mit einem ganzen Hauptbahnhof voll bunter, rasant gestylter Loks. Trainspotter können hier schwere Diesellokomotiven aus Kanada, schnelle TEE-Loks aus Deutschland, den schicken „Mistral“ aus Frankreich und diverse Exoten aus aller Welt bewundern. Mein Favorit ist der japanische Triebwagenzug von 5c, der mir vage aus einem Godzilla-Film bekannt ist, wo er im Maul des Monsters endete. Auch mit roter Rückseite (selten).

Hier eine Auflistung der großformatigen Lokomotiven-Quartette von FX Schmid:

  • 1965: Nr. II/76, Titel: TEE 
  • 1966: Nr. II/76, Titel: DB E 03, 2d = DB 10
    – Fehler: 2d = DB 05
    – Werberückseite DEVK
  • 1967: Nr. II/76 52222, Titel: DB E 03, 2d = DB 10
    – Fehler: 2d = DB 05
  • 1968: Nr. 52222, Titel: DB E 03
  • 1969: Piatnik, Nr. 292, Titel: DB E 03
  • 1970: Nr. 52222, Titel: ÖBB 1042.5
  • 1970: Piatnik, Nr. 292, Titel: ÖBB 4010
  • 1971: Nr. 52222, Titel: ÖBB 1042.5
  • 1972: Nr. 52222, Titel: ÖBB 1042.5
    – Titel: Loks, schwarzrotes Logo
    – Titel: Loks, schwarzweißes Logo
  • 1973: Nr. 52222, Titel: rotweiße E-Lok, Rückseite blau
    – Rückseite rot
  • 1974-75: Nr. 52222, Titel: rotweiße E-Lok
  • 1976: Nr. 52222, Titel: rotweiße E-Lok
  • 1977: Nr. 52222, Titel: DB ET 403
  • 1977: Dampfloks, Nr. 52122, Titel: Dampflok, +2 Extra-Karten
    – Titelalternative: 32 Blatt + 2 Extra-Karten

Genau wie das Titelbild wurden die Kartensätze nur alle zwei, drei Jahre geändert. 1969 und 1970 gab es auch Piatnik-Varianten mit gleichen Karten. Als wäre dies noch nicht kompliziert genug, unterscheiden sich die verschiedenen Auflagen eines Jahrgangs teilweise in den Blautönen der Rückseiten (Infos zum Teil von Herbert, Quartettportal, Quartettsammler, Quartettwahn und Michael). • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€

Kohlekraftwerke (Weltquartett)

Kohlekraftwerke-Spielkarten der Marke Weltquartett

Weltquartett 1019 • 2020 • Titel: Neurath • Nach längerer Schaffenspause melden sich die beiden Macher von Weltquartett mit einem neuen Werk zurück. Diesmal gehts um ’ne Menge Kohle – genau gesagt, um die größten Monumente der Stein- und Braunkohlezeit. 32 Kraftwerke aus aller Welt dampfen hier um die Wette und lassen sich hinsichtlich Bruttoleistung, CO2-Emission und weiterer Daten vergleichen. Besonders die Anlagen aus dem asiatischen Raum führen das Ranking der „emissionsreichsten Erderwärmer“ an. Dafür sorgt das deutsche Braunkohle-Monster Neurath vom Titelblatt für die apokalyptischste Endzeitstimmung! Zwar nehme ich an, dass sich dieses pädagogisch wertvolle Spiel eher an die Kritiker konventioneller Energieerzeugung wendet, aber eine Wertung wird dem Leser bzw. Spieler überlassen. Vielleicht ein guter Weg, um die smartphone-süchtige „Fridays for Future“-Generation wieder ans Quartettspiel ranzuführen… • Bezugsquellen: weltquartett.de, Preis ca. 10,– €

Rennwagen (ASS)

Historische Rennwagen-Quartettkarten von ASSASS 645 • 1967 • Titel: Matra-Cosworth • Dies ist das allererste von zahllosen ASS-Quartetten zum Thema Motorsport (nur Piatnik war mit seinen Rennwagen-Quartetten noch früher dran). Und wer steht bei der Premiere am Start? Zunächst mal 20 Formel-Renner, von Brabham, Ferrari, Lotus und McLaren bis hin zum zierlichen Austro Formel V. Dann folgen die Prototypen, etwa Chaparral 2F (einer der ersten Rennautos mit Heckflügel), Lola T 70 und Porsche Carrera. Und in den hinteren Startreihen warten historische Grand-Prix-Autos und Oldtimer wie der gigantische Blitzen Benz mit 21,5-Liter-Motor. Zu den 36 Spielkarten kommen noch zwei Regelkarten plus eine Werbekarte fürs Düsenflugzeug-Quartett – die Box ist randvoll! Zwei Jahre später veröffentlichte ASS das Spiel nochmal, jetzt mit nur noch 32 Karten (ohne die Oldtimer), neuer Rückseite und einem schicken Testfahrer-Ausweis. Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€-€€€

Interview mit einem Quartett-Entwickler (2. Teil)

Hier nun der zweite Teil des Interviews mit Wilfried Egly, der nach seiner Zeit als freier Mitarbeiter bei FX Schmid zu Pelikan wechselte. Hier gehts zum ersten Teil –>

Verkaufsdisplay für Pelikan-Quartettspiele

Pelikan-Verkaufsdisplay 1982

Quartettblog: Für 1982 haben Sie bei Pelikan einige besonders schöne Spiele entwickelt. An welchen Spielen haben Sie mitgewirkt?
Wilfried Egly: Mitte 1981 erreichte mich der Anruf von Pelikan. Man hatte erfahren, daß ich nicht mehr bei F.X. Schmid arbeitete. Es kam dann zu einem Besprechungstermin in Hannover, bei dem die mögliche Zusammenarbeit besprochen wurde. Der Beginn sollte die komplette Neu-Konzeption des Quartettprogramms sein. Nur zwei Wochen später konnte ich eine Konzeption mit Skizzen und Mustern vorlegen. Die Quartette sollten besser als bisher die Zusammengehörigkeit und auch deutlicher den Hersteller kenntlich machen. Im Regal sollten die Quartette gleich als Pelikan-Produkt zu erkennen sein, was ich mit dem obenstehenden Firmenlogo erreicht habe. Der Titel sollte unbeeinflusst vom Foto erkennbar sein.

Bei den Kartengestaltung erinnerte ich mich an die Info-Karten und begann zu überlegen, was man hier ändern könnte.

Deckblatt und Spielkarten eines Pelikan-Quartettspiels

Pelikan Super-Technik Quartett Tolle Autos

Das Ergebnis war eine Erhöhung von 6 auf 12 Daten, eine Menge die es bis dahin nie gegeben hat, der besseren Lesbarkeit wegen nicht mit Tabellenlinien, sondern mit farblich unterschiedlichen Blauflächen unterlegt. Außerdem mit noch zwei Zeilen zusätzlicher Info. Dieser Datenblock auf den Karten ist sozusagen mein Fingerabdruck auf Quartetten geworden. Ganz überraschend geriet Pelikan in finanzielle Schwierigkeiten und hat den ganzen Bereich Freizeit und Familie mit allen Spielen und auch den Quartetten eingestellt. Der Druck und die Abrechnung mit Pelikan wurde vom Insolvenzverwalter genehmigt. Die Quartette von Pelikan gingen nach einer Honorarzahlung in das Eigentum von Berliner Spielkarten über.
Quartettblog: Viele der von Ihnen entwickelten Quartette wurden später von anderen Marken weitergeführt, hatten Sie damit noch etwas zu tun?
Egly: Ich hatte danach andere Betätigungsfelder. Erst in diesem Jahr habe ich mich, ausgelöst durch einige Fragen eines Sammlers, mit Quartetten beschäftigt. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, daß die meisten meiner Quartette mit Ausnahme der Titelbilder, unverändert über Jahre von Berliner Spielkarten gedruckt wurden. Einige Titel sogar unter Schmidt Spiele und ASS. Nur wenige Quartette wurden komplett mit Bildern und Daten neu zusammengestellt. Sogar Titel, die seinerzeit bei Pelikan für die Folgeserie geplant waren, wurden von Berliner gedruckt. Sie hatten ja auch alle Unterlagen von Pelikan.

Schwarzer-Peter-Spiele zum Thema Berufe

Peilkan Schwarzer-Peter-Spiel und spätere Nachdrucke

Ein von mir gezeichnetes Schwarzer-Peter-Spiel wurde von Berliner mit fünf verschiedenen Deckblättern über viele Jahre hinweg gedruckt und ist heute, nach fast 40 Jahren bei ASS, Thüringen, noch im Programm.
Quartettblog: Es klingt für mich nach einem wirklich tollen Job. Hat es Ihnen Spaß gemacht? Haben Sie Lieblingsquartette? Freuen Sie sich darüber, dass viele ehemaligen Käufer die alten Quartette in schöner Kindheitserinnerung haben und sammeln?
Egly: In der Spielzeugindustrie zu arbeiten, war wirklich eine schöne Sache, zumal ich auch mit anderen Bereichen wie Holzspielzeug, Krippenbau, Modellbau u. a. zu tun hatte. Lieblingsquartette habe ich keine. Meine Kindheitserinnerungen sind ganz anders geprägt. Die Autoquartette kamen ja erst richtig in den 60ern auf den Markt, da war ich schon in der Lehre und hatte ganz andere Interessen. Ich habe noch einen Großteil meines Spielzeugs und da gehören natürlich auch ein paar Quartette dazu. In Verbindung zu meinen Kinderbüchern habe ich einige Quartette wie Salamander, Mecki, Bambi, Petzi, Rote Zora etc. und eine kleine Sammlung mit Märchenquartetten. Ich kann mich schon auch für das eine oder andere Auto begeistern, aber Auto-Freak war ich nie.

Pelikan Naturkompass Quartett Tiere

Quartettblog: Was war Ihnen bei „Ihren“ Quartetten besonders wichtig?
Egly: Die Gelegenheit, ein komplettes Programm neu zu erstellen, hat man ja nur ganz selten. Wie schon erwähnt, war mir wichtig mehr Informationen auf die Karten zu bringen. Dies ist mir mit meinen Quartetten im Tier-/Natur-Programm von Pelikan sogar noch besser gelungen. Auch hier gab es bislang keine Quartette, die so viel Informationen boten. Wenn von Lieblingsquartetten gesprochen werden kann, sind es meine 4 Naturkompaß Quartette. Auch diese Quartette wurden über Jahre von Berliner nachgedruckt.
Quartettblog: Herzlichen Dank für das Interview!

Interview mit einem Quartett-Entwickler (1. Teil)

Karl-Heinz Rummenigge signiert sein Quartettspiel am FX Schmid Messestand

Wilfried Egly (Mitte) mit zwei Kollegen und Karl-Heinz Rummenigge am FX Schmid Messestand

Zu meinem Blogbeitrag über das Superinfo-Spiel bekam ich eine interessante E-Mail eines ehemaligen freien Mitarbeiters von FX Schmid, Herrn Wilfried Egly. Er war damals für die Entwicklung der Superinfo-Zusatzkarten in den FX Schmid Quartetten verantwortlich. Und nicht nur das! Wie sich nach einigem Schriftverkehr herausstellte, hatte er in den 70er- und 80er-Jahren an vielen bekannten Spielen von FX Schmid, ASS und Pelikan mitgearbeitet. Freundlicherweise hat sich Herr Egly zu einem ausführlichen Interview bereit erklärt, das einen tollen Einblick in die Quartett-Entwicklung dieser Zeit gibt! (Bilder von Herrn Egly.)
Quartettblog: Wie sind Sie Anfang der 70er als freier Mitarbeiter zu FX Schmid gekommen?
Wilfried Egly: Nach meiner Tätigkeit bei Ravensburger in der Produktentwicklung habe ich mich selbständig gemacht und benötigte für diverse Spiele und Puzzles für Kunden einen Hersteller und kam so in Kontakt mit Herrn Schmid bei F.X. Schmid in München. Meine fachliche Qualifikation, Schriftsetzermeister und Studium angewandte Grafik, führte dazu, daß ich als freier Mitarbeiter im Münchner Büro zu arbeiten begann.
Quartettblog: Haben Sie da an Quartetten mitgearbeitet?

Zwei FX Schmid Bundeswehr-Quartette 1976 und 1977

Egly: In erster Linie war ich für die verschiedensten Aufgaben im Spielebereich zuständig. Das reichte von Kalkulationen über technische Zeichnungen für Kartonagen und Displays, Musterfertigungen, Prospekte, Anzeigen, Messebau bis hin zu Andruck-Korrekturen. Außerdem entwarf ich zahlreiche Spiele im Kinderbereich. Einige erhielten die Auszeichnung ‚Spiel gut‘. Zu den Aufgaben gehörten natürlich auch die Quartette dazu. Innerhalb des Gesamtprogramms waren sie allerdings nur ein kleiner Teilbereich, der sich dann noch in den Auto- und Technik-Bereich und den der Kinderquartette aufteilte. Hier war der Anteil Gestaltung und Grafik naturgemäß umfangreicher. Die Arbeit an den Technik-Quartetten erfolgte durch einen Mitarbeiter und mich. War für mich natürlich eine Sache, in die ich mich erst so nach und nach einarbeiten musste.
Quartettblog: Haben Sie auch die Grafik für die Spiele gemacht?

Fachanzeige 1977

Egly: Von Grafik kann man hier nicht sprechen. Es ergaben sich immer nur mal neue Layouts, da sich das Firmenlogo mehrfach änderte und auch auf die Quartette übertragen wurde. 1973 wurde beschlossen, den Titel deutlicher in Textform oben auf der Karte zu präsentieren. Die Arbeit an den Kinderquartetten war wesentlich umfangreicher, nicht zuletzt durch die vielen Comicthemen, und hier ergaben sich viele Grafikaufgaben, die auch Displaygestaltung, Prospekte und Anzeigen betrafen. 1977 kam dann die Entscheidung, den Quartetten ein ganz neues Aussehen mit dem Emblem Super-Trumpf und eingebautem Firmenlogo zu geben. Für die Quartette entstanden natürlich auch diverse Anzeigen für Fachzeitschriften und Aussendungen.
Quartettblog: Wie entstanden die Quartette, woher kamen die Ideen, die Bilder und die technischen Angaben?

Fensterdekoration am Stand auf der Int. Spielwarenmesse in Nürnberg, 1978

Egly: Grundlage waren immer zunächst die bisherigen Quartette. Bei internen Besprechungen wurden die Planungen für das kommende Jahr diskutiert. Neue Titel wurden geplant oder Änderungen bei bestehenden Quartetten. In aller Regel erfolgte dann im Herbst die Entscheidungen auch für die Quartette. Das Bildmaterial wurde bei freien Fotografen angefragt aber z.B. auch bei Herstellern. Oft war das Bildmaterial in einem Quartett von verschiedenen Fotografen. Das Bild-/Vorlagenmaterial reichte von Kleinbild über Mittel- und Großformat bis hin zu Fotos oder Prospekten. Ich unterhielt damals ein kleines Archiv mit Schwerpunkt Militär, Eisenbahn und Luftfahrt sowie Blumen, Alpenblumen, Pilze und Zootiere, so daß das eine oder andere Foto Verwendung fand. Ich war regelmäßig auf der Luftfahrtschau in Hannover, der IAA in Frankfurt und bei den größeren Manövern in Deutschland mit Bundeswehreinheiten unterwegs. Die Daten wurden mitunter von den Fotografen mitgeliefert, aber man musste natürlich auch Fachzeitungen, Händler oder Produzenten zu Rate ziehen. Wichtig war vor allem auch die Berechnung und Festlegung der Bildausschnitte.
Quartettblog: Wissen Sie noch, wo die Autobilder und -daten für das Sammelquartett „Die tollsten Oldtimer“ herkamen? Und haben Sie auch bei den SST-Quartetten mitgearbeitet?
Egly: Das kann ich Ihnen heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich waren die Daten beim Bildmaterial dabei. Aber es ist auch sehr hilfreich, wenn man über viel Fachliteratur verfügt und so Daten recherchieren kann. Alle Quartette, auch die Oldtimer- oder die SST-Karten gehörten zu unserer Tätigkeit entsprechend der Notizen dazu. Bei den SST-Karten kam natürlich viel bereits vohandenes Bildmaterial zum Einsatz.
8 Superinfo-Spielkarten

Einige Superinfo-Karten, ca. 1980

Quartettblog: Sie haben ja auch die Superinfo-Karten entwickelt – waren diese Zusatzkarten ihre Idee? Was war Ihnen dabei wichtig?
Egly: Bei einer der anfallenden Besprechungen habe ich als Zusatzkarten die Info-Karten vorgeschlagen und einige Entwürfe dazu gemacht. Die Quartette haben ja als Bestandteil Informationen über Fahrzeuge und deren Daten. Ich wollte mit den Info-Karten mehr Informationen zu den jeweiligen Themen an die Jugendlichen herantragen. Ich muß mich heute selbst noch darüber wundern, wie ich diese Arbeit zustande gebracht habe, zumal damals alles noch über Vorlagenmontagen gemacht werden musste. Allein die Farbangaben für die Lihografieanstalt, heute wäre das mit dem PC wesentlich einfacher. Ursprünglich waren die Karten nur als Sammelkarten gedacht, in jedem Quartett zwei Karten (4 Seiten Info), bei denen es nicht auf die Menge ankam, denn als ‚Quartett‘-Spiel waren sie ja nicht zum Spielen geeignet. Ich denke, daß es ein Fehler meines Nachfolgers war, sie als eigenständiges Spiel ins Programm zu nehmen. Viele Karten wie z.B. Schifffahrt oder Eisenbahn passten da ohnehin nicht rein.
Quartettblog: Dann haben Sie FX Schmid verlassen und einige ASS-Quartette erstellt.
Egly: F.X.Schmid hat 1981 das Büro von München nach Prien ins Werk verlegt. So blieb mir leider nichts anderes übrig, als die Tätigkeit zu beenden. Durch die Spielwarenmesse hatte man ja so manchen Kontakt auch zu Wettbewerbern. So bekam ich von ASS für ein paar Familien-Quartette den Auftrag.

Vom Originalfoto zum großformatigen ASS-Quartett und zur späteren Umsetzung im  kleineren „Profiformat“

Der zweite Teil des Interviews folgt hier –>

Schiffe (Bielefelder)

Das Bielefeler „Schiffe“-Quartett in 6 SpielkartenBielefelder Spielkarten 0179 • 1968 • Titel: Great Eastern • Abgesehen von einem seltenen Spiel mit schwarz-weißen Strichzeichnungen ist dies das erste Schiffe-Quartett aus Bielefeld. Statt Fotos wurden die herrlich bunten Schachtelbilder von Revell-Bausätzen verwendet, die damals jeder ordentliche Schuljunge in seinem Zimmer ausstellte. Das Quartett beginnt mit einer kleinen Flotte von berühmten Segelschiffen (die mir zum Basteln viel zu fummelig waren): Santa Maria, Mayflower, HMS Beagle, Cutty Sark und als Titelmodell die Great Estern, Kabelleger für das erste Transatlantikkabel und lange Zeit größtes Schiff der Welt. Dazu kommen z. B. die RMS Queen Mary, das Atomschiff Savannah, der Flugzeugträger USS Wasp und die USS Missouri, auf der die Kapitulation Japans und damit das Ende des zweiten Weltkriegs besiegelt wurde. Wer damals in der Schule häufig Kreide holen war, kann sich anhand der informativen Texte weiterbilden… Mit 36 Karten. Das Deckblatt dieses schönen Quartetts ist nur aus Papier, wobei es zwei Varianten gibt – in matt und in glänzend. Auch spätere Bielefelder Schiffsquartette nutzten Revell-Modelle als Bilder. • Seltenheit: ◊◊◊-◊◊◊◊ Wert: €€

Übrigens: Das Titelmodell, die Great Estern, ist Schauplatz eines großartigen historischen Romans: „Rausch“ von John Griesemer, sehr zu empfehlen!

Quartettsammlung zu verkaufen!

Quartettblog-Leserin Simone aus der Schweiz möchte ihre Quartettsammlung abgeben. Von uralten Quartettraritäten bis zu aktuellen TopAss-Trumpfspielen ist einiges dabei. Klick dich durch. Natürlich sollte die Sammlung möglichst kompett weggehen, notfalls aber euch einzeln. Hier eine Liste als PDF zum Download: Liste Spiele. Bei Interesse schreib eine Mail an chris (punkt) reisse (at) gmx (punkt) de oder einfach einen Kommentar – ich leite die Anfrage dann gerne weiter!

Superautos (Berliner)

Das Superautos-Quartett von Berliner SpielkartenBerliner Spielkarten 6316765 • ca. 1974 • Titel: Alpine A 310  • Heute stelle ich eine Quartett-Ausgabe vor, die ich eigenhändig mit Knitterfalten und sogar Rissen versehen hab! Zu meiner Entlastung führe ich an, dass die Karten-Beschädigungen im Zuge leidenschaftlicher Quartett-Kämpfe geschahen und wir damals viel Fanta und Salzstangen konsumierten. Auch ließen sich meine Quartettspiel-Kumpels oft nur mit Ziehen und Zerren überreden, ihre Verliererkarten rauszurücken. Besonders, wenn es sich dabei um Rennwagen wie Porsche 917-10 und Ferrari 312 PB handelte, die im Hubraum jedoch von Mercedes 600 und Cadillac Eldorado (8100 ccm) gestochen wurden. Und dann gab es ja noch Mercedes C111 (Wankel stach Zylinder), Porsche Carrera RS (mit Bürzel), Ford GT 70 (mit Blondine), Lamborghini Miura und weitere Auto-Ikonen, die man einfach nicht hergeben wollte, verdammt. Ach ja, das waren Zeiten. – Dieses vielleicht seltenste Autoquartett der Berliner Spitzentrumpf-Ära hat eine wilde Fahrzeugmischung, die Karten sind aber auch in anderen Spielen enthalten. Auch mit roter Rückseite. Eine Version mit Brandenburger-Tor-Logo ist mir hingegen nicht bekannt. • Seltenheit: ◊◊◊◊ Wert: €€€-€€€€

Jäger Jagdflugzeuge (ASS)

Spielkarten des Jäger-Jagdflugzeug-Quartett von ASSASS 3216 • 1971 • Titel: Lockheed YF-12 A • Mit dem Titelhelden dieses großartigen Flugzeug-Quartetts hatte ASS eine gute Wahl getroffen: Die Lockheed YF-12 A (hier als XF bezeichnet) sah nicht nur spektakulär aus, sondern war auch das größte Jagdflugzeug überhaupt, mit über Mach 3 auch eines der schnellsten. Wie bei anderen Projekten des Jet-Zeitalters stellte sich allerdings bald die Frage nach der Sinnhaftigkeit des teuren Vogels und zum Erscheinungsjahr dieses Quartetts war die Produktion bereits wieder eingestellt. Der Blitztrumpf wird flankiert von McDonnell Phantom II und Republic Thunderchief sowie ihren damaligen Gegnern im Vietnamkrieg, Mig-21 und Mig-19. Dazu kommen einige erste Düsenjäger wie Me 262 und De Havilland Vampire. Ab Karte E1 beginnen die Propellermaschinen, u. a. mit dem roten Fokker Dreidecker aus dem ersten und der legendären Spitfire aus dem zweiten Weltkrieg. Eine tolle, historisch interessante Auswahl! Rückseite auch in Hellblau, Rot und Lila. Außerdem ist ein seltener Fehldruck bekannt, bei dem G3 (korrekt: Me 109) und H1 (korrekt: Me 110) vertauscht sind. • Seltenheit: ◊◊ Wert: €€

2 edle Werbequartette (Audi, Skoda)

Nach fast zwei Jahren Pause gibt’s mal wieder eine Fortsetzung der losen Quartettblog-Reihe „Werbequartette“, diesmal mit zwei besonders edlen Stücken:

Das quattro-Quartett mit drei Kartenquattro • Audi/cyber-Wear 26200453 • 2013 • Titel: Audi quattro • Vor gut 40 Jahren wurde der erste Audi Quattro auf dem Genfer Salon präsentiert. Er kletterte in einem viel bestaunten Werbespot eine verschneite Skischanze hoch, raste über die Rallyepisten Europas und driftete in Rekordzeit auf den Pikes Peak. Mehr als genug Material für ein aufregendes Autoquartett, würde man annehmen, doch leider wird diese Erwartung enttäuscht. Außer zwei Sport-Quattro und dem fliegenden Allrad-Monster auf dem Titel sind fast nur jüngere Fahrzeuge enthalten, z. B. Audi S3, S8, RS4, TTS Roadster und R8 GT. Schade! Aber dafür erfreut sich der Fan am äußerst eleganten Silbermetallic-Druck der Rückseiten und Kartenränder und am sauberen Layout. • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€-€€€

Box und zwei Karten des Skoda-AutoquartettsŠkoda Cartette • Skoda (UK) • 2016 • Titel: L&K Voiturette A + Škoda Kodiaq • Škoda mag eher für Brot- und Butter-Autos bekannt sein, dieses englische Werbequartett hingegen rangiert in der höchsten Luxusklasse. Schon die Box aus samtglatt beschichtetem Karton ist ein wahrer Handschmeichler. Wer den Magnetverschluss (!) öffnet, findet 36 stilvoll gestaltete Karten im Format 63 x 88 mm, die die gesamte Markengeschichte abdecken. Es fahren vor: Benzinkutschen des Škoda-Urahns L&K, die eleganten 30er-Jahre-Škoda Rapid und Monte Carlo, sozialistische Mittelklasse-PKW wie Felicia und 1000 MB, flinke Sport- und Rennwagen wie der 130 RS im Rallye-Trim und schließlich die aktuellen Modelle Fabia, Yeti und Kodiaq. Als Bonus liegen zwei Faltblätter zur Škoda-Historie in Englisch und Tschechisch bei. Mein Tipp: Zugreifen, wenn das Spiel mal wieder irgendwo angeboten wird! • Seltenheit: ◊◊◊◊ Wert: €€€-€€€€

Die tollsten Oldtimer (FX Schmid)

Das Extra-Quartett Die tollsten OldtimerFX Schmid o. Nr. • 1977 • Titel: Mercedes-Benz Typ 770 „Großer Mercedes“ • Während Hauptkonkurrent ASS zur Saison 1977 wieder den langweiligen Blitztrumpf herausholte, hatte FX Schmid eine deutlich bessere Idee, um seine Quartette ans Kind zu bringen: Den Spielen wurden Karten für sogenannte „Extra-Quartette“ beigelegt, die man nicht im Laden kaufen konnte. So gehören zu jedem Spiel des 77er-Jahrgangs zwei bestimmte Extrakarten plus jeweils das Deckblatt, auf dessen Rückseite eine Sammelliste abgedruckt ist. Für ein vollständiges Extra-Quartett mit 32 Karten muss man folglich 16 Spiele kaufen.

Luxus zum Sammeln

Die Sammelei lohnt sich aber. Die Karten des abgebildeten Oldtimerquartetts gehören sicher zu den Schönsten, die je von FX Schmid veröffentlicht worden sind. Und: Soweit ich weiß, findet sich kein einziges Foto davon in irgendeinem anderen Quartett wieder! Enthalten sind luxuriöse Klassiker im Querformat, vom geradlinigen Lincoln Continental über „Barockengel“ BMW 502 und Bugatti Typ 57 C Atalante mit ihren wundervoll geschwungenen Formen bis zum Stromlinien-Tatra 87. Dazu kommen weitere  Automobil-Legenden der Vorkriegszeit wie Packard V12, Bentley 3-Liter, Maybach W5 und schließlich ein Benz Spider von 1902. Dieser hochherrschaftliche Fuhrpark bildet somit eine gute Ergänzung zum regulären Quartett Sportwagen Stars von 1977, Titel Bugatti Typ 43, Nr. 58222, das eher die sportlichen Oldies enthält.

Auch heute noch erfordert es einigen Aufwand, das Sammelquartett zu komplettieren. Denn manche der 77er-Spiele sind relativ selten (etwa Lokomotiven) und dann fehlen die  Extrakarten noch sehr häufig. Ich hab schon gesehen, dass einzelne Extrakarten für zehn Euro bei ebay weggingen… Parallel erschien ein zweites Sammelquartett: Grand-Prix-Renner, Titel Ferrari 312 T2 – weniger ungewöhnlich, aber doch das einzige großformatige Formel-Rennwagen-Quartett von FXS. Danke an Michael und Reinhard für Fotos. • Seltenheit: ◊◊◊◊-◊◊◊◊◊ Wert: €€€€€€ (jeweils komplett)

Rennwagen (Piatnik) b

Spielkarten des Rennwagen-Quartetts von PiatnikPiatnik 4229 • 1973 • Titel: Ferrari F1 • Die hier abgebildete Ausgabe wurde offensichtlich jahrelang von Kinderhand weich gespielt und hat zahlreiche Knitterfalten im Dauer-Spieleinsatz davon getragen. Das ist ja auch kein Wunder! Denn das Quartett begeistert den jugendlichen Motorsport-Fan mit einigen der spektakulärsten Rennautos der frühen 70er Jahre, und im Querformat kommen diese Boliden besonders gut rüber. Zu den Highlights des Quartetts zählen die Formel 1 der Saison 1972, etwa der Eiffelland-Ford im Colani-Design (Karte 3b) oder der filigran wirkende March mit Niki Lauda. Deutlich brutaler wirken die Sportwagen und Prototypen, allen voran Porsche 917 in zwei Versionen, Matra, Gulf-Mirage und Alfa 33/3, aufgenommen zumeist in Le Mans, auf dem Österreichring und auf dem Nürburgring. Leider sind die Fotos teilweise unscharf. Trotzdem ein tolles Quartett! Weitere Rennwagen im Querformat findest du hier -> • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€-€€€