Rennen Rennfahrer Rekorde (Hausser)

Historisches Autoquartett von Hausser 1983

Hausser Spiele 690 • ca. 1939 • Titel: Mercedes-Benz 12-Zylinder-Rennwagen • Man folge mir tief hinein in den Quartettkeller, wo in staubigen Regalen die alten ASS-616er und die erste FXS-Sportwagen-Ausgabe lagern. Ganz hinten befindet sich eine rostige Stahltür, durch die es noch weiter hinab in die Geschichte des Quartettspiels geht … Seit nunmehr über acht Jahrzehnten wartet hier dieses legendäre Artefakt der Vorkriegszeit auf den Wissbegierigen: „Rennen Rennfahrer Rekorde“, der Urahn aller Autoquartette. 1952 diente das Spiel als Grundlage der ersten technisch spielbaren Quartette von ASS.

Mit seinen 48 Karten im Großformat hat es ordentlich Gewicht. Sie zeigen Rennfahrer und Konstrukteure mit ihren Geschossen, garniert mit ein paar Textzeilen. Am Start stehen die Herren Porsche, Rosemeyer, von Brauchitsch, Caracciola, Stuck, Seaman, Farina und Nuvolari, halsbrecherisch unterwegs auf Mercedes-Benz, Autounion, Alfa Romeo, Talbot oder Maserati. Hinzu kommen eine Reihe mutiger Motorradpiloten sowie vier Streckenkarten von Avus, Nürburgring, Monza und überraschenderweise Tripolis/Lybien (damals italienisch). Hochinteressant! Für ein Quartett aus der Nazizeit sind die Texte relativ frei vom sonst üblichen Pathos.

Das Spiel taucht schon gelegentlich in der E-Bucht auf. Aber oft ist die Schachtel kaputt, meist wurde auch aus gutem Grund die Fahne auf dem Titelbild zerkratzt oder übermalt. Das Regelheft fehlt häufig. Es existieren eine ganze Reihe von Versionen:

  • Rote Bestellnr., 48 Karten bräunlich/grünlich, Spielregel mit eckigem Rahmen
  • Rote Bestellnr., 48 Karten blaugrau, Spielregel ?
  • Dunkelbraune Bestellnr., 48 Karten blaugrau, Spielregel mit ovalem Rahmen
  • Dunkelbraune Bestellnr., 24 Karten blaugrau, „Kriegsausgabe“, Spielregel?

Zusätzlich gibt es noch Untervarianten, die sich in der Pappschachtel unterscheiden. Details siehe Kommentare, danke an Michael. • Seltenheit: ◊◊◊◊ Wert: €€€€€-€€€€€€.

Autorennsport (FX Schmid)

FX Schmid 58422 • 1976 • Titel: Ferrari 312 T • Wer ist schneller und stärker, Formel 1, Prototypen, Tourenwagen oder Stock Cars? Dieses Quartett ermöglicht den großen Vergleich aller relevanten Rennklassen der Mitt-70er Jahre. Es treten an: acht Formel 1 mit dem damals amtierenden Weltmeister Niki Lauda im Ferrari (auf dem Titel). Gefolgt von Vorjahressieger Emerson Fittipaldi im McLaren und den kommenden Champions James Hunt (damals noch Hesketh) und Jody Scheckter (damals noch Tyrrell). Unter den Kontrahenten: Jochen Maas im Alfa Romeo T 33.3 Prototyp, Rolf Stommelen im grandiosen Ford Capri Tourenwagen und Richard Petty im Dodge Charger. Und siehe da, alles in allem bringen die vier Stock Cars mit ihren riesigen Hubraum- und PS-Angaben die besten Chancen für den Quartettsieg mit!

Hier eine Auflistung der großformatigen Rennwagen-Quartette von FX Schmid:

Keine Ahnung, warum man 1975 den Namen und die Artikelnr. änderte.  Mit der Umstellung aufs kleinere Skatformat wurde es noch unübersichtlicher: Die späteren FXS Rennwagen-Quartette hießen unter anderem Grand Prix, Racing, Rennwagen, Rennsport, Motorsport und Pole Position.  • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€

Formel-Rennwagen (Berliner)

Das Formel-Rennwagen-Quartett von Berliner Spielkarten (Nr. 6316781) enthält Formel V, Super Vau, Formel II und Formel 1 wie Ferrari 312 T und JPS-Lotus 72 der Saison 1975. Berliner Spielkarten 631 6781 • ca. 1975 • Titel: Lochmann F3 • Komisch, dass so viele Rennwagen-Quartette mit irgendwelchen No-Name-Autos auf dem Deckblatt an den Start gehen! Dieses hier etwa hat einen völlig unbekannten 160-PS-Formel 3 auf der verkaufstechnisch wichtigen Pole-Position. Dabei sind hier neben diversen Formel V, Super V, 2 und 3 auch immerhin acht legendäre Formel 1 enthalten: John Player Lotus 76 (eigentlich ein 72), McLaren M23, Tyrrell 007 und Spitzentrumpf Ferrari 312/T (Konstrukteursweltmeister der Saison 1975). Es ist übrigens vielleicht auch das Formel-Quartett mit den langsamsten Rennwagen (der Schnellste schafft gerade mal 290 km/h). Dennoch ein hübsches buntes Quartettspiel!

Hier hab ich die diversen Varianten auseinandergefummelt, viele mit zweisprachigem Deckblatt (Formel-Rennwagen/Voitures de course F. 1):

  • ca. 1975: Formel-Rennwagen, Nr. 6316781, Titel: Lochmann F3, Deckblatt und Karten deutsch (siehe oben)
    – Deckblatt deutsch, Karten zweisprachig
    – Deckblatt und Karten zweisprachig
  • ca. 1976: Formel-Rennwagen, Nr. 6316781, Titel: Osella FA2 BMW, Deckblatt, deutsch, Karten zweisprachig
    – Brandenburger-Tor-Logo, Nr. 6314781, Titel: Ferrari 312 T, Deckblatt deutsch, Karten zweisprachig
    – Brandenburger-Tor-Logo, Nr. 6314781, Titel: Ferrari 312 T, Deckblatt und Karten zweisprachig
  • ca. 1977: Rennwagen, Nr. 6316897, Titel: March 742 BMW, Deckblatt und Karten deutsch
  • ca. 1978: Formel-Rennwagen, Nr. 6316981, Titel: grüner Quizrahmen (1a = McLaren M23) und Karten deutsch
    – Quizrahmen und Karten zweisprachig
    – Brandenburger-Tor-Logo, Nr. 6314981, Titel: Ralt RT 1, Deckblatt und Karten zweisprachig
  • ca. 1979: Formel-Rennwagen, Brandenburger-Tor-Logo, Nr. 207, Titel: Ralt RT 1, Deckblatt und Karten zweisprachig

Da die Kartensätze von ca. 1975 und ca. 1976 identisch sind, ist es schwer zu sagen, welche Version eher erschienen ist. Weil das Deckblatt mit dem gelben Autoricambi-Osella auch im ca. 1976 veröffentlichten Sammelpaß abgebildet ist, nehme ich an, diese Version ist die spätere. Übrigens scheint die abgebildete Variante mit rein deutschem Text nur recht selten aufzutauchen. • Seltenheit: ◊◊◊◊ Wert: €€-€€€

Sportautos Super-Mini (FX Schmid)

Das Supermini-Quartett für die Hosentasche von FX Schmid heißt Superautos und hat einen Quizmeisterrahmen, sowie den Porsche RSR auf dem Titel, Opel Manta GT/E, Corvette Sting Ray und Datsun 260 Z.FX Schmid o. Nr. • 1976-77 • Titel: Porsche Turbo RSR • Mit der ersten Supermini-Serie startete FX Schmid ziemlich zeitgleich mit ASS den Trend zum Schrumpf-Quartett. Während die Maxi-Minis von ASS jedoch noch halbwegs gut in der Hand liegen und viele eigenständige Titel beinhalten, sind die Superminis winzig (36 x 56 mm) und bieten bei den Karten wenig Neues. So besteht das vorliegende Sportautos-Quartett komplett aus den ersten 24 Karten von Sportwagen, Nr. 52522, Titel Porsche 911 von ca. 1977! Darunter finden sich immerhin tolle Klassiker wie De Tomaso Pantera, Lamborghini Countach, Corvette Sting Ray, Ferrari BB und Datsun 260 Z. Auch die Optik ist identisch, nur die Bezeichnungen der anderen Karten einer Quartettgruppe fehlen und das Titelmodell, ein Porsche Rennwagen, hat mit dem Spiel nichts zu tun.

Das FX Schmid Supermini-Motorradquartett mit Quizmeisterrahmen gibt es in drei Versionen

Supermini-Quartette in drei Varianten: blauer Rahmen, roter Rahmen, gerade Ecken (Bild von Michael)

Aber dann wartet das Kleine doch mit zwei Neuerungen auf: die seltsam krisselige Rückseite, die auch bei fast allen späteren FXS-Miniquartetten auftaucht, und der Quizmeisterrahmen (damit „… kannst Du auch alleine Dein Wissen prüfen oder Dich mit anderen Spielern messen.“). Der Rahmen ist normalerweise in Blau, seltener in Rot. Die Idee des Quizrahmens wurde dann von Berliner und Pelikan übernommen.

Weitere Spiele dieser Serie mit Quizmeisterrahmen, alle ohne Nummer:

Supermini-Quartette von FX Schmid mit Quizmeisterrahmen – Rennautso, Motorräder, Rennmaschinen, Superautos und Kampfflugzeuge

Eine Handvoll Superminis, hier auch mit Werbebox (Rennautos)

  • Dragster
  • Kampf-Flugzeuge
  • Militär-Fahrzeuge
  • Motorräder (mit kaum lesbarem 76er-Druckcode)
  • Panzer (mit kaum lesbarem 76er-Druckcode)
  • Rennautos
  • Rennmaschinen
  • Schnelle Loks
  • Superjets
  • Märchenwelt
  • Pferde
  • Tiere
  • Tierlieblinge

Außerdem gibt es ein paar nichttechnische Quartette in ähnlicher Aufmachung, jedoch OHNE den Quizmeisterrahmen: nochmal Pferde und Tier-Lieblinge sowie Tierwelt, Bambi, Hunde, Katzen, Schwarzer Peter, Tierpark. Schon bei der nächsten Supermini-Serie verschwand der Rahmen und die Karten wuchsen in ein brauchbares Format. • Seltenheit: ◊◊ Wert: €

Donnerpfeile (Berliner) b

Das historische Rennautoquartett Donnerpfeile von Berliner Spielkarten hat einen Alfa 33 TT Le Mans Prototyp auf dem Titel sowie den sechsrädrigen Tyrrell P34, den Spitzentrumpf Porsche 918 und andere mit deutsch-französischem Text.Berliner Spielkarten 6316748 • ca. 1976 • Titel: Alfa TT 33/12 • Die Rennwagen- und Rallye-Quartette von Berliner Spielkarten gehören für mich zu den schönsten überhaupt, auch wenn die Druckqualität Wünsche offen lässt. Denn sowohl die Aufnahmen aus den Boxen als auch aus dem Renngeschehen wirken sehr atmosphärisch – der Spieler steht quasi hautnah an der Strecke! Bei diesem Spiel sind verschiedene Rennklassen gemischt: brutale Tourenwagen wie BMW 3,5 CSL Schnitzer, die hochprozentigen Jägermeister-Porsche und Martini-Porsche, dann extrabreite Rennsportwagen wie Renault Alpine A 442 Turbo und McLaren M20 und schließlich acht Formel 1, unter anderem der berühmte Tyrrell P34, der auf seinen sechs Rädern durch eine Kurve krabbelt (8a). Sehr cool. Weitere Donnerpfeile von Berliner Spielkarten:

  • ca. 1972, Nr. 903043, Titel: Porsche 908.3
  • ca. 1973, Nr. 6316746, Titel: Porsche 908.3
  • ca. 1976, Nr. 6314748, Titel: Redlefsen Alfa Romeo 33 TT/2  (Brandenburger-Tor-Herz-Logo)
  • ca. 1979, Nr. 631 6948, Titel: grüner Quizrahmen
    – Titelvariante mit französischer Unterzeile Voitures de course
  • ca. 1979, Nr. 6314948, Titel: Chrysler Prototyp (Brandenburger-Tor-Herz-Logo)

Die Donnerpfeile sind übrigens nicht zu verwechseln mit den Donnerbolzen, einer Reihe von Motorradquartetten … • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€-€€€

Rennpiloten (Berliner)

Das Berliner Spielkarten Quartett Rennpiloten – Männer im Cockpit zeigt Rennfahrer der Formel1, Le Mans, Langstreckenrennen usw wie Niki Lauda, James Hunt, Jackie Stewart, Clay Regazzoni, Emerson Fittipaldi und Graham Hill.Berliner 6316726 • ca. 1975 • Titel: Niki Lauda • Nach so vielen Rennauto-Quartetten hier einmal ein Spiel, dass den Fahrern der „Rennboliden“, „Heißen Öfen“, „Pistenflitzern” und „Superrennern“ gewidmet ist. Die Helden der glorreichen 70er-Jahre geben sich hier den Schaltknüppel in die Hand (als es sowas noch gab, heute haben die Rennwagen ja so lasche Wippschalter). Wer wie ich mit Jackie Stewart, James Hunt, Niki Lauda, Clay Regazzoni, Rolf Stommelen, Jacky Ickx und Kotelettenmonster Emerson Fittipaldi aufgewachsen ist, erinnert sich beim Durchspielen mit Wehmut an die Begeisterung, die schon kurze Rennberichte in der Sportschau auslösen konnten. Zumal sich die Fahrer zumeist als kernige Typen mit Fluppe im Mund darstellten, nicht so schwiegermutter-freundlich wie heute. Schade jedoch, dass viele mit Helm aufgenommen wurden, das ist auf Dauer etwas gleichförmig. Und leider eignet sich das Quartett nicht zum Trumpfen.

Zum Berliner Spielkarten Rennfahrer-Quartett gibt es eine Deckblatt-Alternative

(Bild von Reinhard)

Nachtrag: Reinhard wies mich auf eine Variante (oder einen Nachfolger?) hin, bei der das Spiel Rennfahrer heißt: „Ein Quartettspiel um die berühmtesten Männer im Cockpit“. Karten und alles andere sind gleich. Siehe Titelbild!

Folgende weitere Rennfahrer-Quartette sind mir bekannt:

  • 1939: Hausser, Rennen Rennfahrer Rekorde, Nr. 690, Titel: Mercedes Silberpfeil (der Urahn aller Autoquartette!)
  • ca. 1969: Bielefelder, Rennfahrer, Nr. 0190, Titel: Graham Hill
    – Titelvariante: Jackie Stewart
  • ca. 1972: Bielefelder, PS-Matadore, Nr. 0228, Titel: Mario Andretti
  • ca. 1976, Bielefelder, Motorrad-Asse, Nr. 0304, Titel: Giacomo Agostini
  • 1973 bis 1986: Piatnik, Rennfahrer, Nr. 4230, 14 Varianten
  • ca. 1975: Berliner/Brandenburger-Tor-Logo, Rennpiloten, Nr. 6314726, Titel: Ronnie Peterson
  • ca. 1975-76: Berliner, Rennfahrer, Nr. 6316726, Titel: Niki Lauda
  • ca. 1977: Berliner, Rennfahrer, Nr. 6316891, Titel: Ronnie Peterson
  • ca. 1985: Schmidt Spiele, Rennfahrer, Nr. 6318326, Titel Niki Lauda
  • ca. 1986: Schmidt Spiele, Rennfahrer, Nr. 6318326, Titel Alain Prost
    – Variante von SuperTop, Rennfahrer, Nr. 5325, Titel: Marc Surer
  • 2016: Legendenquartett, Motorsport-Formel 1, o. Nr., Titel: Francois Cevert

• Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€

Grand Prix Meisterschaft (FX Schmid)

Das Renn-Autoquartett Grand Prix Meisterschaft von FX Schmid München Nr. 51822 zeigt den Grand Prix von Italien mit Ronnie Peterson und Jackie Ickx sowie CanAm, TransAm, Interserie und Dragsterrennen.FX Schmid 51822 • ca. 1974 • Titel: Grand Prix Monza • Bei dieser Quartettserie probierte FX Schmid mal etwas Neues: Für Leistung des Fahrers, Schwierigkeit der Rennstrecke, Streckenlänge, Meisterschaft, Stärke des Autos und Trainingszeit im abgebildeten Rennen gibt es „Meisterschafts-Punkte“, und zwar 9 Punkte für den ersten, 6 für den zweiten, 4-3-2-1 für die folgenden Angaben (wie bei der damaligen Formel-1-Wertung). Klingt doof? Ist es auch, man wird damit kaum spielen, und warum nun ein Dragster in allen Disziplinen unschlagbare 9 Punkte erhält, ist unklar. Trotzdem wurde das Quartett über mehrere Jahre aufgelegt. Immerhin kann man sich als Rennsportfreund über faszinierende Liveaufnahmen von Autorennen freuen, z. B. den Grand Prix von Italien 1971. Auch Interserie, CanAm, 1000 km Nürburgring, TransAm-Rennen in den USA, Dragster-WM und mehr sind dabei.

Das Quartett wurde von 1971 bis 1975 verlegt:

  • 1971: Titel Formel1-Start von links (GP Zeltweg?), 28 Karten
  • 1972: Titel Formel1-Start von rechts (GP Monza), 28 Karten
  • 1973: Titel GP Monza, 28 Karten  (identisch mit 1972)
  • 1974: Titel GP Monza, 28 Karten (identisch mit 1972)
  • 1975: Titel Formel1-Start von rechts (GP Nürburgring?), 32 Karten

Bei den Spielen mit 28 Karten ist eine spezielle Spielregelkarte beigelegt (siehe Kommentare). • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€

Interview mit einem Quartett-Fotografen (2. Teil)

Hier nun der zweite Teil des Interviews mit dem Fotografen Thomas Dirk Heere, der zahlreiche Berliner Spielkarten Quartette der 70er und 80er Jahre fotografiert hat. Zum 1.Teil >> 

Sportauto-Zeitschrift mit dem Kadett GT/E Rallye vom Berliner Spielkarten Quartett Rallye.

Hier fliegt der Kadett vom Rallye-Quartett

Quartettblog: Wie lief die Entwicklung eines Quartetts konkret ab, wurden Sie von einem Redakteur oder Verlagsmitarbeiter angerufen um z. B. ein Quartett wie „Pistenheuler“ oder „Rallye“ zusammenzustellen?

Heere: Eigentlich ergab sich die Planung immer aus dem Gespräch heraus, da ich ja wusste, was ich anbieten konnte und was ich bereits im Archiv hatte. Auch kam dann auf meine Anregung ein Spiel zustande, dass sich von den üblichen Quartettspielen unterschieden hat: „Rennpisten international“. (Anmerkung: Nr. 6316766).
Quartettblog: Wie kam es dazu?
Heere: Das Quartettspiel „Rennpisten International“ z. B. entstand anhand der Programmhefte, die ich von jedem Rennen mitbrachte. Oft gab es darin eine Skizze der Rennstrecke. Diese Skizzen waren es, die den Denkanstoß gaben. Da hieß es dann, weg von den technischen Daten und eine Streckenbeschreibung mit entsprechenden Rennmotiven der spektakulären Abschnitte entwerfen.
be-6316760_Bergsprinter_Quartettspiel_Alpine-Renault Kopie 1Quartettblog: Mich würde mal interessieren, wie man sich die Firma Berliner Spielkarten in den 70er Jahren vorstellen kann.
Heere: Wie eingangs erwähnt, habe ich nur das Büro in der Havelstraße 16 in Darmstadt kennengelernt. Wo die Druckerei war, weiß ich heute nicht mehr. (Anmerkung: Diese lag vermutlich in Berlin, Obentrautstraße 60, jedenfalls gab es da 1974 einen Telefonbucheintrag …)
Quartettblog: Was meine Leser und mich immer wieder interessiert, wissen Sie, wie hoch die Auflagen bei einigen Ihrer Quartette waren?
Heere: Das entzieht sich meiner Kenntnis. Nach Drucklegung habe ich Belegexemplare druckfrisch erhalten und selbst oft noch eigene Bestellungen aufgegeben. Hatte ich doch vor, jedem der Beteiligten, sei es Team, Fahrer oder Mechaniker, ein Quartettspiel zu überreichen. Das war immer ein „Riesen-Hallo“, wenn die Spiele im Fahrerlager die Runde machten … „Och, ich bin ja gar nicht auf´m Titel“ habe ich ziemlich oft hören müssen. Aber eigentlich waren alle zufrieden und mancher hat mir auch schon mal einen Schein zugesteckt, weil er das Ergebnis honorieren wollte.
Quartettblog: An wie vielen Quartetten waren Sie denn im Lauf der Jahre ungefähr beteiligt? Was ist Ihr persönlicher Favorit?
Heere: Ich sitze natürlich heute noch auf meinem kleinen Schatz der Belegexemplare. Aber wenn die Zeit ins Land geht, gibt man hier und da mal ein Spiel aus den Händen, um Kindern eine Freude zu machen. So passiert es dann, dass die eigene Kollektion nicht mehr ganz vollständig ist. Es müssen aber über dreißig Spiele gewesen sein. Einen Favorit habe ich nicht, aber stolz bin ich schon ein bisschen auf die „Rennpisten International“, da dieses Spiel nach Aussage von Herrn Burgstahler auf der Nürnberger Spielwarenmesse ausgezeichnet wurde.
berliner-6316724-Rallye_Kadett_GTE KopieQuartettblog: Klingt nach einem wirklich tollen Job, den viele Blog-Leser sicher sehr gern in ihrer Jugend gehabt hätten! Hat es Ihnen Spaß gemacht?
Heere: Na klar, das hat viel Spaß gemacht. Noch heute bin ich in meinem Job. Allerdings habe ich mit der Berichterstattung über Autorennen Ende der 90er aufgehört. Der Konkurrenzdruck wurde stärker und die Honorare „gingen in die Knie“. Immer mehr Newcomer strebten danach, ohne Honorar ihre Bilder in den Zeitschriften zu sehen. Das hat den Markt für die „Freien“ kaputt gemacht. Außerdem möchte ich Ihnen auch mal eine Vorstellung davon geben, wie es ist, wenn es ein ganzes Wochenende lang regnet und Sie um die Rennstrecke laufen müssen, um an den verschiedenen Abschnitten möglichst viele unterschiedliche Motive zu produzieren – kein Zuckerschlecken!
Quartettblog: Haben Sie selbst Quartett gespielt?
Heere: Ja, allerdings gab es zu meiner Kinderzeit nicht diese Technik-Spiele. Oder meine Eltern und Freunde hatten mir keins geschenkt …
Das Berliner Spielkarten Bergsprinter-Quartett hat einen Renault Alpine auf dem TitelQuartettblog: Aus heutiger Sicht, freuen Sie sich darüber, dass viele heute Ältere die alten Quartette in schöner Kindheitserinnerung haben und sammeln?
Heere: Die Wertschätzung von alltäglichen Dingen, so auch „meine“ Spielkarten, hat für mich einen hohen Stellenwert. Mit Freude habe ich bei der Recherche bezgl. Spielkarten im Internet gemerkt, dass es, wie auf Ihrer informativen Seite, viele Gleichgesinnte gibt, die ihrem Hobby frönen und sich über und an den Karten erfreuen. Wenn ich ein Kartenspiel zur Hand nehme, kommen bei mir bei der Betrachtung der Fotos die Erinnerungen wieder hoch und so manches Anekdötchen  um die Rennstrecken wird wieder wach und treibt einem ein zufriedenes Schmunzeln ins Gesicht.
Quartettblog: Herzlichen Dank für das Interview!

Interview mit einem Quartett-Fotografen (1. Teil)

Jägermeister-Porsche im Autoquartett Renn-Tourenwagen von Berliner Spielkarten - Fotograf Thomas Dirk HeereWahrscheinlich hat jeder, der sich für die alten Autoquartette interessiert, schon mal darüber nachgedacht, wo wohl die Fotos und Daten herkamen und wie daraus schließlich ein Spiel mit 32 Karten wurde. Jetzt hatte ich Gelegenheit, dazu einen Insider per E-Mail zu interviewen, der Dutzende der heute historischen Quartette der Berliner Spielkarten fotografiert und entworfen hat.

Der Frankfurter Bildjournalist Thomas Dirk Heere steckt hinter zahlreichen Quartetten wie „Renn-Tourenwagen“, „Rallye“, „Bergsprinter“ und „Pistenheuler“, die teilweise schon auf dieser Webseite vorgestellt wurden. Seine Bilder gehören zu den spektakulärsten und lebendigsten Rennwagen-Fotos in Quartetten überhaupt! Und sie machen wohl den besonderen Reiz dieser Ausgaben aus den 70er und 80er Jahren aus. Als begeisterter Auto- und Rennsportfotograf hat Heere nicht nur die Fotos, sondern auch die technischen Daten geliefert. Hier eine Auswahl:

Eine Übersicht über die großformatigen Autoquartette und Motorradquartette von Berliner Spielkarten des Fotografen Thomas Dirk Heere

Einige der Berliner Spielkarten Quartette mit Fotos von Thomas Dirk Heere

Quartettblog: Wie kamen Sie dazu, für Quartettspiele zu fotografieren?
Heere: In den späten 70er Jahren habe ich mich als Fotograf selbständig gemacht und mir die Autofotografie als Ziel meines täglichen Erwerbs gesetzt. Unter anderem habe ich für die Vereinigten Motor Verlage in Stuttgart als freier Fotograf für die Zeitung „Sport Auto“ viele Autotests fotografiert. „Rally Racing“ und „Sportfahrer“  waren auch Zeitschriften, die ich bedienen durfte. Autorennen waren ebenso angesagt. An fast jedem Wochenende habe ich auf den Rennstrecken in Deutschland und dem europäischen Ausland gearbeitet. Die Vielzahl der Bilder und Motive, die in meinem Archiv schlummerten und noch keine Veröffentlichung hatten, haben mich bewogen, auf die Suche nach weiteren Abnehmern zu gehen. Dazu gehörte auch ein Besuch des Verlags der Deutschen Buchgemeinschaft in Darmstadt. Dort hatte ich kein Glück, aber im gleichen Hochhaus gab es den Verlag A. Seydel & Cie. mit der Abteilung Spielkarten und Spiele. (Anmerkung: Trotz des Namens war die Leitung der Berliner Spielkarten GmbH vermutlich in Darmstadt.) Dort traf ich auf einen an meiner Arbeit sehr interessierten Herrn. Ich glaube, er hieß Burgstahler oder Burgstaller. Er schaute sich Fotos von den Autorennen an und meinte, dass er diese für die Autoquartetts gut gebrauchen könne. Allerdings benötigte er auch die Daten. Diese sind natürlich gerade bei Rennwagen mit getunter Motorleistung nicht überall verfügbar oder zu ermitteln.
Quartettblog: Haben Sie die Fahrer oder Mechaniker einfach im Fahrerlager nach den Daten gefragt? Heute kann ich mir diese Möglichkeiten gar nicht mehr vorstellen!

Rennfotograf Thomas Dirk Heere aus Darmstadt fotografierte Autorennen und Rallyes für die Berliner Spielkarten Autoquartette

Thomas Dirk Heere an der Rennpiste

Heere: Ja, genau so kam es dann. Da ich durch meine journalistische Berichterstattung über die Rennen Zugang zu allen Bereichen der Rennstrecken und zum Fahrerlager hatte, konnte ich von Team zu Team gehen und die benötigten Daten abfragen. Ob mir dabei immer die die „echten Daten“ genannt wurden, entzieht sich bis heute meiner Kenntnis … Zumindest waren sie authentisch und realitätsnah. Außerdem bleibt noch zu bemerken, dass die Renn-Teams damals nicht so sehr die Abschottung der Öffentlichkeit betrieben haben wie heute. Ich möchte sagen, es ging alles etwas „familiärer“ zu …

Quartettblog: Sind Sie denn selbst auch Rennen gefahren?
Heere: Rennen bin ich nie selbst gefahren – da ich aber z.B. für „Sport Auto“ fast jeden Montag in Hockenheim die Tests fotografierte, gab es genügend Gelegenheit, mit dem eigenen Fahrzeug (BMW Alpina B3) die Rennstrecke unter die Räder zu nehmen. Mehrmals habe ich mich dabei auch neben der Strecke wiedergefunden. Ein lehrreiches Prozedere, dass mich im Fahrstil weiter brachte, gleichzeitig signalisierte, Rennfahrer wirst du nicht!
Auf dem Rallye-Autoquartett der Berliner Spielkarten fliegt ein Kadett Rallye über einen SprunghügelQuartettblog: Wurden die Bilder extra für die Quartette geschossen oder auch für Zeitschriften etc.?
Heere: Eigentlich waren es immer Fotos, die sowieso entstanden sind. Außer das Dragster-Rennen. Dieses hätte ich wohl nicht besucht, wäre da nicht im Gespräch mit Herrn Burgstahler mein Vorschlag angenommen worden. Aus heutiger Sicht eine Bereicherung an Hörerlebnis … nie zuvor hatte ich bei Autorennen, das lauteste war für meine Begriffe immer die Formel 1, einen derartigen Lärmpegel erlebt!

 

 

 

Vom Start zum Ziel (Bielefelder)

Das Quartett 0226 von Bielefelder Spielkarten zeigt Fahrerlager, Boxen, Training, Rennfahrerfrauen und Zeitnahme am Hockenheim-Ring 1971 und 1972.Bielefelder Spielkarten 0226 • ca. 1972 • Titel: March F1 mit Ronnie Peterson • Der Titel trifft’s nicht ganz: Hier gehts meist darum, was noch vor dem Start bei einem Autorennen passiert. Die Insider-Fotos aus Fahrerlager und Boxen etwa vom Hockenheim-Ring sind super, die Texte, nun ja, manchmal etwas peinlich: Rennwagen werden in „buntbemalten Tranportern“ befördert, Sicherheit steht „heute an erster Stelle“ und Rennfahrer-Frauen greifen selbst mal zum „16er-Schlüssel“ … Leider ist es nicht technisch spielbar. Aber was soll’s, wenn du damals in den 70ern jeden Formel-1-Champion an den Koteletten erkannt hast, sollte dieses Quartett nicht in deiner Sammlung fehlen! • Seltenheit: ◊◊◊-◊◊◊◊ Wert: €€

1967-1977 Grand-Prix Sieger (ASS)

Das ASS-Rennautoquartett Grandprix-Sieger enthält gelbe und rote Karte sowie 32 Formel-1-Fahrer wie Jochen Rindt, Graham Hill, Jackie Stewart und Niki Lauda.ASS 3187/0 • ca. 1979 • Titel: Jean-Pierre Beltoise im BRM P 160 • Die Herausforderung für Formel-1-Nerds – wer kennt alle 32 Grand-Prix-Sieger, die in diesem einzigartigen Rennwagen-Quartett gegeneinander antreten? Von Jim Clark im Lotus 49 bis zu James Hunt im McLaren M 26 reiht sich ein klangvoller Name der Rennsport-Geschichte an den nächsten. Naja, 32 Sieger stimmt nicht ganz, einige Fahrer wie Jackie Ickx oder Jody Scheckter starten gleich mehrfach mit verschiedenen Fahrzeugen, Jackie Stewart sogar fünfmal. Anhand der tollen Bilder lässt sich schön verfolgen, wie sich die Formel 1 im Laufe der Zeit verändert haben, von den flügellosen Metallzigarren der 60er-Jahre bis zu den aggressiv verspoilerten Flachmännern der Niki-Lauda-Ära. Bisschen schade, dass nicht die Höchst-Geschwindigkeit angegeben ist, sondern der Schnitt im jeweiligen Rennen – ein Handicap für die Gewinner des Grand Prix von Monaco! Erst rund zehn Jahre später erschien ein Nachfolger-Quartett: Automobil Grand Prix Sieger, Nr. 3054/0, ca. 1987, Titel Rennszene. • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€€