2 japanische Werbequartette (Toyota, Mazda)

Sorry für diese Überschrift, eigentlich gehts in dieser neuen Folge meiner losen Reihe „Werbequartette“ um japanische Autos, nicht um japanische Spiele…

Das Toyota-Quartett Happy Days von ca. 2007 hat einen Corolla Verso auf dem Titel und enthält Toyota 2000 GT (James Bond!), Celica, Cressida, Starlet, MR2, Tercel und Crown.Happy Days Toyota Quartett • Toyota o. Nr. • ca. 2007 • Titel: Toyota Corolla + Verkäufer • Wie man ein theoretisch recht interessantes Markenquartett verhunzt: a) selten blödes Deckblattmotiv, b) doofer Name, c) komisches Format – etwas kleiner als das übliche Skatformat, so dass die Karten in der Plastikbox hin- und herwackeln, d) zu viele Gegenwarts-Modelle und e) gar keines aus der ruhmreichen Rennsport-Historie! Aber immerhin sind der legendäre Toyota 2000 GT, Celica aus drei Epochen, der keilförmige MR2 und das Luxusmodell Crown enthalten, und das sachliche Layout ist ganz okay. Weitere Toyota-Quartette:

  • 1988: Das Toyota-Wahl-Quartett, Titel: Text
  • 1990: Toyota Star-Gala, Titel: Star-Gala-Logo
  • 1995: Alle Toyota-Modelle 1995, Titel: WRC-Logo
  • ca. 1996: Toyota Jubiläums-Edition, Titel: Farbwischer

• Seltenheit: ◊◊ Wert: €

Das Mazda-Cars-Autoquartett hat Mazda RX-8, MX-5, 121, 323, Xedos 9, RX-7 und andere Wankelmotor-Autos.Mazda Cars Quartett • Mazda o. Nr. • ca. 2005 • Titel: Mazda RX-8 • Nun ja, die Kritikpunkte a) bis c) vom Toyota-Quartett fallen hier weg, aber auch dieses Werbequartett leidet unter dem hohen Anteil von aktuellen Einheitsbrei-Autos. Wo ist der geniale Wankelpionier Mazda 110 Cosmo Sport, wo die niedlichen Kei-Cars der 60er-/70er-Jahre, wo der Mittelmotor-Prototyp und Matchbox-Klassiker Mazda RX-500? Dafür hat das Spiel je zwei Mazda MX 5 und RX-7 sowie kleine alberne Texte unter den Bildern und mehr Kreiskolben als jedes andere Quartett. – Ich kenne nur noch ein weiteres Werbequartett dieser japanischen Marke:

  • 2008: 30 Jahre Mazda in der Schweiz, Titel: Mazda MX 5

• Seltenheit: ◊◊-◊◊◊ Wert: €-€€

Noch mehr japanische Auto-Asse hier und im Honda-Werbequartett.

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Der Quartett-Automat – Vortrag von Herbert Kutter (Teil 2)

Hier der zweite Teil des Vortrages von Herbert Kutter auf dem Sammlertreffen im August 2018. Die Top 12 der technischen Quartettspiele wurde mit einer besonderen Überraschung gekrönt: die Enthüllung des legendären Quartett-Automaten!

Der Automat vpn OAK Manufacturing "Premiere“ wurde von Brabo In Antwerpen gefertigt und enthält das ASS-Autoquartett 616 mit Borgward Isabella als Automatenspiel.

Dieser Automat aus den späten 50er-Jahren spuckte nach Einwurf eines Groschens ein Kaugummi und dazu eine Sammelkarte nach Wahl aus. Kurzzeitig wurde er auch für den Verkauf von Autoquartett-Karten genutzt. Dafür verwendete man ausgerechnet Karten vom ASS Auto-Quartett 616 mit der Borgward Isabella, einem der seltensten Spiele überhaupt! Diese speziellen Karten tauchen alle Jubeljahre mal auf – doch der Automat selbst blieb lange verschollen …

Herbert: „Im April 2018 wurde ich auf die angebliche Existenz eines solchen megararen Automaten mit dementsprechenden Karteninhalt hingewiesen (Anmerkung: indirekt durch einen Quartettblog-Kommentar von Ralf). Warum aber druckte ASS die Karten von einem Spiel, das eh keiner kaufen wollte, extra als Automatenspiel? Die Lösung hat vermutlich genau mit dieser Tatsache zu tun. Die noch vorhandenen, von ASS produzierten Karten des 616er von 1959, egal ob E oder F, waren übrig und so kürzte man diese Karten einfach und statt sie zu vernichten, lieferte man sie an Händler aus, die solche speziellen Automaten in ihren Läden hatten. Und zwar ohne dieses „unattraktive“ Titelblatt. Wenn es denn so gewesen ist: Welch ein horrender Frevel aus heutiger Sicht!

Der Opel Kapitän im seltenen ASS 616 Auto-Quartett wird hier gerade aus dem Quartett-Automaten gezogen.Jetzt aber wieder zu den Fakten: Diese Automaten, welche den schönen Modellnamen „Premiere“ hatten, wurden 1956 in den USA, genau genommen von der 1948 in Kalifornien gegründeten OAK Manufacturing, produziert. In den Staaten wurden diese Automaten neben Kaugummikugeln auch mit Sammelbildchen von hauptsächlich Baseballgrößen und auch Schauspielern bestückt. 1957 fertigte die belgische Firma Brabo in Antwerpen in Lizenz solche Automaten u. a. für den deutschen Markt. Diese Automaten hingen übrigens nicht an den Wänden, sondern sie standen auf Füßen. In der Regel wurden sie in Europa eben nicht mit Bildchen von Baseballhelden, sondern mit Fußballstars, Fußballmannschaften und auch Schauspielern, sowie Musikern bestückt. Aber eben auch mit den heute sehr begehrten für den Automaten zugeschnittenen Restbeständen der Isabella-Spiele und zwar kreuz und quer mit den Karten in E und/oder F!

Autoquartett 616 Quartett-Automat aus den 50er-Jahren für Sammelbilder

Einer der beiden Kartenschächte des Automaten von hinten

Deshalb möchte ich allen Sammlern hiermit eine paar aufmunternde Hinweise bzgl. des Sammelns speziell dieser Karten geben. Da es beim Sammeln ja um Authentizität geht, hier drei Fakten:
1. Der Kartensatz muss nicht geordnet in E oder F sein, da diese Automaten faktisch auch kreuz und quer bestückt wurden und zwar völlig vermischt, manche Karten auch mehrfach, alle aber im Topzustand.
2. Somit muss solch ein Kartensatz nicht einmal komplett sein, da es sich also, so deprimierend das klingt, scheinbar um eine reine Resteverwertung handelte. Im Prinzip sollte es einem seriösen Sammler reichen nur eine dementsprechende Karte aus so einem Automaten zu besitzen.
3. Die Kartenrückseiten dürfen auch in unterschiedlichen Helligkeitsstufen sein, wäre also kein Reklamationsgrund bei einem eventuellen Ebay-Kauf mehrerer solcher Karten.

Der gezeigte Automat stammt übrigens von einem Edeka Laden, der sich Kolonialwarenladen Bock nannte, und er stand in Klein- Eicklingen bei Celle in Niedersachsen. Bevor ich nun weitere Fragen beantworte und die Funktionsweise solch eines Automaten demonstriere, bedanke ich mich für eure Aufmerksamkeit und hoffe der Vortrag war auch für Nichttechnik-Sammler einigermaßen interessant. Danke schön.“ (Anmerkung: Bilder von Herbert.)

Die Top 12 der technischen Quartettspiele – Vortrag von Herbert Kutter (Teil 1)

Auf dem Quartettsammlertreffen im August 2018 hielt Herbert Kutter einen viel beachteten Vortrag, der sicher auch viele Blog-Leser interessiert, die nicht dabei waren. Zumal der Vortrag als Höhepunkt eine spektakuläre Überraschung brachte… Daher veröffentliche ich hier seinen Originaltext in leicht bearbeiteter Form – viel Spaß dabei.

„Liebe Sammlerinnen und Sammler, da ich die letzten Jahre das Sammlertreffen geschwänzt habe, möchte ich mich zuerst einmal bei denen von Euch vorstellen, die mich noch nicht so gut kennen. Mein Name ist Herbert Kutter und ich sammle seit 1992 technische Quartettspiele. Für die Techniker unter euch brauche ich sicherlich nicht erwähnen, dass ich der Autor des rein zu privaten Zwecken produzierten, technischen Quartettkatalogs bin, der alle Spiele sämtlicher relevanten Firmen von 1952 – 1971 enthält.

Aber jetzt zum Thema. Ich habe mich dazu entschlossen, eine Rangfolge von sehr hochkarätigen technischen Spiele in Hitparadenform, angefangen bei Platz 12, aufzustellen. Für die Technikfreaks unter euch werden sicher meine von mir ausgewählten Platzierungen im Nachhinein Anlass zu regen Diskussionen geben.

Vorab noch zwei Dinge: Es ist mir klar, dass noch das eine oder andere technische Spiel, welches nach 1971 hergestellt wurde, in meine Hitparade Einzug hätte finden können, ja müssen, aber dazu fehlen mir Infos, die mir sicherlich die jüngeren Sammler unter euch ebenfalls nach meinem Vortrag geben werden. Ich denke da nur an diese speziellen Sportwagen Test Spiele von ASS von 1972. Bewusst habe ich mich auch dazu entschieden, die momentanen Marktpreise in Ebay nicht zu erwähnen. Den Wahnsinn, was dies betrifft, möchte ich hier nicht noch weiter hoffähig machen.

So, nun aber genug der Einleitung. Nicht in die Top 12 schafften es von den „großen“ Firmen die Spiele von Berliner, Bielefelder, Pestalozzi und ja – auch von Piatnik hat es kein Spiel in den Olymp geschafft.

Platz 12: Es handelt sich eigentlich um ein- und dasselbe Spiel von der in Franken, nämlich in Fürth ansässig gewesenen Firma Schwager und Steinlein (S&S). Dort existierten die Inhalte und Artikelnummern ziemlich durcheinander. Es handelt sich hier um Auto-Quartette, die recht einfach mit der Artikelnummer 8653 aus dem Jahr 1964 gestaltet sind. Man sieht an den Schwärzungen der ehemaligen älteren Artikelnummern 703 wie verwirrend diese Nummern waren. Man kann gut erkennen, wie einmal die neue Artikelnummer neben der durchgestrichenen alten gedruckt wurde und einmal darunter. Dann gibt es das Internationale Auto-Quartett mit Flaggen, ein anderes Mal ohne. Es gibt diesen Kartensatz mit dieser Nummer sogar noch ein fünftes Mal, aber wegen des häufiger vorkommenden Titelbildes, was auch für neuere Kartensätze verwendet wird, ist dieses nicht so attraktiv und deshalb hier auch nicht abgebildet.

Platz 11: Auf Platz 11 habe ich 2 Spiele. Beide Spiele sind von Franz Xaver Schmidt aus München. Es handelt sich um das allererste technische Spiel von Schmid, das Sportwagenquartett und das Auto-Quartett aus dem ominösen 81er Nummernkreis. Von diesem 81er Nummernkreis existieren 15 Spiele, wobei 4 dieser Spiele -dazu zählt auch dieses- eigenständige Kartensätze und in der Regel auch ganz andere Rückseiten wie die übrigen Schmidt Spiele haben. Manche argwöhnen gar, dass diese Spiele nicht von FXS sind.

Platz 10: Salon der klassischen Autos vom Abel-Klinger Verlag Nürnberg: Das Anlege-Spiel existiert meist als solches von Heinrich Schwarz als Nürnberger Spiel, wie es hier zum Vergleich klein abgebildet ist und was nicht diesen Stellenwert hat. Jedoch gibt es den Kartensatz eben auch als dieses Abel-Klinger Spiel 5801 und ist sehr selten. Ich persönlich hab es in ebay noch nicht gesehen.

Eikon Auto-Quartett Rennwagen und Personenwagen I 1967 – Platz 9 der Top 12 der technischen Quartettspiele Raritäten

Platz 9: Rennwagen und Personenwagen I, beide von 1967 und vom Schweizer Eikon Verlag. Zwei gleichwertige, sehr seltene Spiele in den berühmten roten bzw. blauen Gummihüllen, die gar nicht aus Gummi, sondern leider aus sehr empfindlichen Plastik bestehen. Die Karten dieser Spiele sind sehr, sehr groß und trotzdem hat man es mit oder ohne Absicht nicht geschafft, die Autos so abzubilden, dass sie wie auf dem Beispielbild oben Mitte, auf die Karten passen.

Abel-Klinger (Nürnberger) 5605: Schiffe-Quartett – Platz 8 der Top 12 der technischen Quartettspiele Vortrag Familienkartenspiele


Platz 8: Schiffe-Quartett Nr. 5605 von Abel-Klinger. Übrigens, um es vorwegzunehmen, das einzige Spiel, das nicht Autos beinhaltet und es in die Charts geschafft hat. Um ausnahmsweise einmal eine Preisvorstellung zu nennen, sind wir hier locker bei 400.- angekommen. Das Spiel existiert auch schon 1968 und 1969 von Heinrich Schwarz als Nürnberger Spiele, beide hier klein abgebildet, wobei das Nürnberger von 1968 (also das grüne unten rechts im Bild) auch schon eine große Seltenheit ist.

Nürnberger: Salon der Traumwagen - Die schnellsten Wagen der Welt (635) – Platz 7 der Top 12 der technischen Quartettspiele Autoquartett-Legespiel

Platz 7: Salon der Traumwagen bzw. Die schnellsten Wagen der Welt von Nürnberger. Sehr begehrt. Es handelt sich bei allen 3 Abbildungen immer um ein und dasselbe Anlege-Spiel. Wobei beim mittleren Spiel die Artikelnummer 625a durchgestrichen und durch die passende 635 ersetzt wurde.

Nürnberger (NSV) Superbox (6351), Superquartett (6361), Supershow (6371) – Platz 6 der Top 12 der technischen Quartettspiele Auto-Legespiele Carrera

Platz 6: Nicht erschrecken. Bei diesen vielen Nürnberger Spielen handelt es sich immer nur um die später erschienenen Nürnberger Anlegespiele Nr. 635, 636 und 637, welche ich mit Ausnahme der 637er Carrera Spiele schon auf den Plätzen 7 bzw. Platz 10 vorgestellt habe. Es geht hier also nur um die Verpackungen der Reihen Superbox, Superquartett und Supershow. Alles super – leider auch die Preise hierfür.

ASS Auto-Quartett Buchhülle und Abel-Klinger Auto-Quartett – Platz 5 der Top 12 der technischen Quartettspiele wertvoll

Platz 5: 3 Spiele, die ich gleich hoch einschätze: Das allererste Auto-Quartett von ASS. Das wäre nichts Besonderes, aber so wie hier abgebildet in der sogenannten Buchhülle, eine echte Rarität. Ebenso wäre das 616er Spiel von ASS von 1957 nichts Ungewöhnliches, aber mit einem separatem Titelblatt, normalerweise waren die Spiele 1957 noch in Kartonboxen untergebracht, ebenso eine echte Rarität. Ebenfalls in dieser Liga spielt das Abel-Klinger Auto- Quartett. Und schon wieder sind wir in Nürnberg. Das Quartett hat lediglich ein anders koloriertes Titelblatt und eine andere Artikelnummer als das dementsprechende Spiel von Heinrich Schwarz. Hier auch zum Vergleich rechts unten abgebildet.

ASS Auto-Quartett 616 E Ford Badewanne – Platz 4 der Top 12 der technischen Quartettspiele sehr selten

Platz 4: Das 616 E von 1961 mit der „Badewanne“ drauf. Für die Nichttechniker: So nannte man dieses
Gefährt in den 60er Jahren. Ein Ford Taunus 17M. Viele Spiele dieser 616er Reihe von ASS stellen ohne Frage die Krönung der ASS Spiele dar. Von 1957 bis 1964 gab es diese Spiele je in einer E (Deutsch/Englisch) und der F (Deutsch/Französisch) Version. Speziell von diesem Spiel hat aber noch niemand je eine F-Version gesehen, ansonsten würde jenes sicher mit die Spitze der Hitparade erklimmen.

So – und jetzt kommen die Top 3:

FX Schmid Sportwagen Quartett 81322– Platz 3 der Top 12 der technischen Quartettspiele von Herbert Kutter

Platz 3: Das Sportwagen Quartett 81322 aus der ebenfalls legendären 81er Reihe von FXS. Ihr erinnert euch noch an das Auto-Quartett 81422, das ich schon auf Platz 11 vorstellte mit den eigenständigen Rückseiten und der viel diskutierten FXS Herkunft.

Eikon: Auto-Quartett Personenwagen II – Platz 2 der Top 12 der technischen Quartettspiele Raritätenliste

Platz 2: Das Eikon Quartett schlechthin. Personenwagen II von 1968. Die sogenannte grüne Gummihülle, die gar keine ist. Extremst selten und aus der Schwyz.

…and the winner is:

ASS: Auto-Quartett 616 Borgward Isabella 1959 Automatenversion – Platz 1 der Top 12 der technischen Quartettspiele - Das Wertvollste

Platz 1: Die Isabella, wie wir alle diese Perle nennen. Und dann noch in der noch selteneren F-Version Quadrille d‘autos. Komplett mit Spielanleitungen in Deutsch und Französisch. Am besten im Traumzustand mit unversehrter, stark marmorierter Doppelsteg-Box… da geraten wir Techniksammler sicher alle in’s Schwärmen. Sehr, sehr begehrt und von 1959.  Dieses Spiel wurde scheinbar von ASS nur in einer sehr geringen Auflage produziert. Der Grund hierfür war angeblich, dass das 1958er Spiel einen für die Kinder tollen Porsche als Titelbild hatte und diese im Jahr darauf für einen Borgward Isabella, seinerzeit nur ein Nischen-Feinschmecker Auto, wenig Begeisterung zeigten. Sehr kurios ist aber, dass es ausgerechnet dieses extrem seltene Spiel auch als Automaten-Spiel gegeben haben soll und zwar nur dieses Spiel. Besagte um einen halben cm in der Länge gekürzte Karten existieren aber tatsächlich und zwar in der E- und der F-Version und generell ohne Titelblatt, was sich eben für die Geschichte mit dem Automatenverkauf eignen würde. Aber ausgerechnet dieses extrem stark limitierte Spiel soll es auch als Automatenspiel extra etwas kleiner geschnitten doch gegeben haben? Ich hielt diese haarsträubende Behauptung für ein Märchen. Bis zum April 2018 jedenfalls …“

Soweit der erste Teil von Herberts Vortrag. In einer guten Woche geht’s mit dem Highlight weiter!

Das Quartettportal

Das Quartettportal von Andreas Müller ist ein Onlinekatalog, der über 2000 Quartettspiele mit allen Karten umfasst.Auf diesem Blog habe ich schon so einige Quartettkataloge vorgestellt. Jetzt gibt es einen neuen, der hinsichtlich der Zahl der abgebildeten und eingeordneten Quartette jeden Rekord bricht. Und du brauchst dafür keinen Meter im Buchregal freizuschaufeln, denn es handelt sich um einen reinen Online-Katalog: das Quartettportal! Dahinter steht Andreas Müller, der auch die Quartett-Datenbank erstellt hat. Du findest die Seite unter www.quartettportal.de.

Die Übersicht der Quartettserien im Quartettportal am Beispiel von FX Schmid zeigt über 700 SpieleVor dem Onlineblättern steht die Registrierung: 20 Euro sind zunächst zu überweisen. Name und Passwort führen dich dann in die Verlagsübersicht, wo du deinen gewünschten Quartettverlag anklicken kannst. Für jeden der über 25 gelisteten Hersteller findest du einige allgemeine Infos und eine Übersicht über die verschiedenen Quartettreihen bzw. Jahrgänge, dargestellt durch ein entsprechendes Deckblatt (hier zum Beispiel F.X. Schmid).

Das Autos-Quartett 52622 von 1975 des Spielverlages FX Schmid München zeigt im Mouseover den Ford Mercury der Karte 8cDurch den nächsten Klick auf eines der Deckblätter kommst du auf die Übersicht aller Quartette der jeweiligen Serie, wiederum einen Klick weiter auf die Komplettansicht eines Spiels. Es erscheinen alle Karten des Spiels in der Übersicht, dazu Rückseiten, Extrakarten, teilweise Boxen sowie Hinweise zu Besonderheiten und Varianten. Bei schlapper Internetverbindung kann dieser Ladeprozess ein Sekündchen dauern. Per Mouseover lässt sich nun jede einzelne Karte vergrößern und anschauen, jedoch nicht runterladen.

Das Quartettblog-Fazit:

Eine tolle Sache, und Wahnsinn, wie viel Arbeit Andreas da rein gesteckt hat! Äußerst hilfreich ist das Quartettportal, wenn du z. B. abklären willst, welche Karten zu welchem Quartett gehören und wie sich die Spiele mehrerer Jahrgänge unterscheiden. Auch die Suchfunktion funktioniert prima. Allerdings empfiehlt sich ein großer Bildschirm – bei meinem 13-Zoll-MacBook befindet sich die einzelne Spielkarte teilweise außerhalb des Screens und man muss herumscrollen oder die Seite verkleinern. Außer Diskussion steht aber der Umfang des Katalogs mit über 2600 Quartetten, von Anfang des letzten Jahrhunderts bis etwa 1990. Besonders interessant finde ich übrigens auch einige der uralten Quartettraritäten, die vermutlich nie den Weg in meine Sammlung finden werden. Für Unentschlossene gibt es ein Demo-Portal: Hier kann man die Funktionen kostenlos ausprobieren. Viel Spaß!

Monster Staus (Die Bahn)

Das DB Deutsche Bahn Quartett Megastaus enthält wie ein Autoquartett Urlaubs- und andere Verkehrsstaus und ist damit ein Werbequartett für die Bahn.Die Bahn o. Nr. • ca. 2006-07 • Titel: Autos im Stau • Hurra, Urlaubszeit! Endlich hat man wieder Gelegenheit, sich für Stunden hinters Steuer der gut durcherhitzten Familienkutsche zu klemmen und im Stop-and-go dem fernen Ferienziel entgegenzuzuckeln. Als Kinder gab uns das wenigstens viel Zeit für endlose Autoquartett-Schlachten auf der Rückbank. Das perfekt passende Spiel dafür hatten wir allerdings damals noch nicht: dieses Autostau-Quartett! Herausgegeben ist es von der Deutschen Bahn, deren Marketingexperten bei jeder Reisewelle neidvoll auf die armen Irren in den Autoschlangen starren, die sich trotz allem nicht zum Umstieg aufs Abenteuer Bahnfahren bewegen lassen. Zu den aktuell beliebten Ferien- bzw. Heimreisestaus enthält das Quartett noch die apokalyptischsten Staus im Berufsverkehr, wegen Unwetter, durch Unfälle und mit anderen Ursachen, mit bis zu 150 km Staulänge… stöhn. Um den weichgekochten Autofan endgültig von den Segnungen des Schienenverkehrs zu überzeugen, liegt noch ein Leporello mit den „Supertrümpfen“ ICE, S-Bahn und so weiter bei. • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €

Quartettspiele (Edition TMW) – Spitzentrumpf im Buchregal

Das Buch Quartettspiele – Sortierungen eines Zeitvertreibs ist eine Publikation des Technischen Museum WienTechnisches Museum Wien ISBN 978-3-903242-00-5 • 2018 • Erst die Ausstellung, nun das Buch: Zur mittlerweile beendeten Sonderschau zum Thema Quartettspiele hat das Wiener Technikmuseum jetzt eine eigene Publikation herausgegeben. Das 158-Seiten-Werk behandelt das Quartett aus kulturgeschichtlicher und technikhistorischer Sicht und ist damit, wie es die Museumsdirektorin im Vorwort vermeldet, „die erste wissenschaftliche Publikation zum Gesamtphänomen der (Technischen) Quartettspiele“.

Hinter dem etwas sperrigen Titel „Quartettspiele – Sortierungen eines Zeitvertreibs“ steckt jedoch keineswegs ein trockenes Theoriewerk. Im Gegenteil, die meisten Texte sind bestens zu lesen und bieten sowohl interessantes historisches Wissen als auch einige spannende Überlegungen zum gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Umfeld. Außerdem ist fast jede Doppelseite bebildert. (Bilder anklicken)

Und was steht nun konkret drin? „Die Vorgeschichte des Quartettspiels“ beginnt mit den ersten Spielkarten des 14. Jahrhunderts und führt den Leser zum Bildungsspielzeug des 19. Jahrhunderts. „Metamorphosen einer Randerscheinung“ von Ausstellungsleiter Christian Stadelmann beschreibt die folgende Entwicklung und die Blütezeit der 70er Jahre, insbesondere den Wandel zum Schulhofspiel mit seinem Schneller-Stärker-Größer-Spielprinzip. Das Thema Quartettproduktion wird mit Vorlagen von Piatnik und FX Schmid illustriert, die sicher die meisten Sammler noch nie gesehen haben. Drei kürzere Kapitel behandeln weitere Aspekte, etwa wie sich die Entwicklung der Elektrolokomotive im Piatnik-Quartett widerspiegelt oder warum sich eher Jungs für technische Daten begeistern – teilweise im Soziologendeutsch, aber auch ganz interessant. Insgesamt ein tolles Buch und natürlich absolut überfällig! Es ist im Museumsshop erhältlich, soll aber auch irgendwann bei Amazon und im Buchhandel zu bestellen sein (ISBN angeben).

Auto-Quartett (Nürnberger)

Das erste Auto-Quartett von Nürnberger Spielkarten Heinrich Schwarz NSV mit der Nummer 603 hat ein Papierdeckblatt und enthält Lamborghini Miura, Alfa Giulia und NSU Wankelspider.Neue Nürnberger Spielkarten 603 • 1968 • Titel: Alfa Romeo Giulia Sprint GT • Meine rostige Taschenlampe in Händen, stolpere ich wieder einmal die knarzende Treppe zum Raritätenkeller hinunter, dorthin, wo die besonders historischen Artefakte lagern. Und direkt neben einem Rembrandt vom Trödelmarkt entdecke ich es: das erste Autoquartett von Nürnberger Spielkarten! Im Gegensatz zu den meisten späteren Spielen der auch als Heinrich Schwarz oder NSV bekannten Marke ist dieses Quartett eine Eigenentwicklung. Das Kartenbild ist einzigartig – okay, sehr attraktiv ist die Darstellung der schwarz-weißen Autos auf farbigen Aquarell-Hintergründen vielleicht nicht. Dafür sind es die 36 abgebildeten Modelle: allesamt Sportwagen-Klassiker, vom niedlichen Fiat 850 Coupé über NSU Wankel Spider, Volvo P 1800 S, BMW 2000 CS, Glas 3000 V8 bis hin zu Jensen Interceptor und Lamborghini Miura, sortiert nach Verkaufspreisen. Das Deckblatt ist nur aus Papier und hat unten eine Lasche, so dass man Quartettname und Artikelnummer auch von der Seite lesen kann. Blöd für Sammler, denn diese ist meist verknittert. Es existieren zwei Varianten mit gleichem Titelmodell und gleichen Karten, die sogar noch seltener sind als das Original:

  • Abel Klinger: Auto-Quartett, Nr. 5601 (extrem rar)
  • Introva: Auto Kwartet, o. Nr. (niederländisch)

Das Foto hab ich von Jens, denn leider fehlt mir das Deckblatt. Vermutlich ist es schon vor Jahrzehnten in einem anderen Quartettkeller vermodert… • Seltenheit: ◊◊◊◊-◊◊◊◊◊ Wert: €€€€€€