Schiffsquartett (FX Schmid)

Das erste Schiffsquartett von FX Schmid München mit Nr. II/77 hat 36 Karten mit Schwarzweißfotos von Flugzeugträger Forrestal, Gorch Fock, Queen Mary, Atomkreuzer Long beach, Kreuzfahrtschiff France ua.FX Schmid II/77 • 1965 • Titel: Forrestal Flugzeugträger • Der aktuelle Skandal um die Gorch Fock hat mich bewogen, mal wieder in die Abteilung für die Quartett-Vor- und Frühgeschichte hinabzusteigen und dieses interessante Schiffsquartett zu heben, das allererste von FX Schmid. Die ungeschönten Schwarzweiß-Aufnahmen und ollen Hintergrund-Farben vermitteln allerdings wenig maritime Romantik. Mit an Bord sind große Passagierdampfer wie Queen Mary und France (mit einem prachtvollen Bild vor der New Yorker Skyline), der erste Atomfrachter der Welt namens Savannah, Eisbrecher Lenin, Walfänger Konan Maru sowie allerlei Marineschiffe vom Flugzeugträger bis zum U-Boot und schließlich, als letztes von 36 Karten, die Gorch Fock, ehemals Stolz der deutschen Marine.

Das Schiffsquartett II/77 von FX Schmidt hat einen Fehler in der Norwegen-Flagge des Walfangschiffs Sir James Clark Ross.

Na, welche Norwegen-Flagge ist richtig?

Das Quartett hat einen lustigen Flaggenfehler, das Walfangmutterschiff Sir James Clark Ross (VI/1) gibt es mit richtiger und mit falschrum gestalteter Norwegen-Flagge. • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€€

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Schiffe (Piatnik)

Das Schiffe-Quartett von Piatnik Wien hat Spielkarten im Querformat und zeigt Flugzeugträger Forrestal, Passagierschiff Queen Elizabeth, Cap Anamur, Krabbenkutter, Donaudampfer und die Hafenfähre Alsterdorf.Piatnik o. Nr. • ca. 1984-85 • Titel: Passagierschiff • Während die Piatnik-Autoquartette der 80er-Jahre schon längst im Hochformat gedruckt wurden, setzte man für die Schiffsquartette weiterhin auf Spielkarten im Querformat. Elegante Passagierdampfer wie die berühmte Queen Elizabeth, Frachter wie Cap Anamur und der Atomfrachter Otto Hahn, der romantisch im Abendlicht fotografierte Flugzeugträger Forrestal, eine Hamburger Hafenfähre, ein Krabbenkutter, ein Lotsenschiff sowie schließlich ein Donaudampfer kommen so besonders attraktiv zur Geltung. Ein schönes Quartett – mit einem recht interessanten Deckblatt. Denn bei diesem fehlen die Artikelnummer (Nr. 4242) und der Hinweis „+2 Extrabilder“, die normalerweise bei dieser Quartettserie im unteren gelben Balken stehen. Genau gesagt, scheint mir die Version ohne Eindruck sogar häufiger zu sein! – Die Piatnik-Schiffsquartette haben sich von 1972 bis Ende der 80er-Jahre kaum verändert, es wurden nur irgendwann mal vier Frachter gegen vier Passagierschiffe ausgetauscht und das Titelmotiv erneuert. • Seltenheit: ◊◊◊◊ Wert: €€-€€€

3 DDR-Quartette (Pössneck)

Auch in der DDR wurden Quartette produziert, jedoch stand mehr der pädagogische Nutzen im Vordergrund. So entstanden im Verlag für Lehrmittel Pössneck zahlreiche „Lehrquartette“ rund um Märchen, Pflanzen, Indianer, Musikinstrumente, Geografie, den Wetterbericht und vieles Erbauliche mehr – sorgfältig gemacht, allerdings zumeist in schrecklich altbackener Optik (Herstellung: Altenburger Spielkartenfabrik). Hier drei Beispiele, die sicher nicht nur für Ostalgiker interessant sind:

Geschichte der Kraftwagen ist das einzige DDR-Autoquartett und wurde von Pössneck herausgegeben und von der Altenburger Spielkartenfabrik Made in GDR gedruckt.

Geschichte der Kraftwagen • Pössneck 334 827 7 • 1990 • Titel: BMW Dixi • Das einzige Autoquartett „von drüben“. Mit 36 großformatigen Karten im Pappschuber plus 32-seitige Broschüre ist es eigentlich gut ausgestattet – aber herrjeh! Während es im Westen schon Anfang der 70er-Jahre fast nur noch Farbfotos gab, sieht man hier nur Illustrationen. Zwar sind ein paar interessante Autos enthalten (etwa der schnittige DDR-Renner Melkus, ein sowjetisch-tschechisches E-Mobil und ein mächtiger 150-Tonnen-Muldenkipper), aber ein Großteil der „Kraftwagen“ stammt aus der Schnauferl-Zeit. Und technische Angaben finden sich nur bei einer einzigen Karte, dem Mazda 323. Insgesamt also nicht gerade das, was ein cooles Schulhofspiel ausmacht …! Die erste Auflage dürfte von 1985 datieren, meine dritte Auflage ist vom Wendejahr 1990 – tja, damals konnten auch die DDR-Kids schon Deutsche Auto-Asse, Sport-Flitzer und Italo-Renner im Westen kaufen. • Seltenheit ◊◊◊ Wert: €€

Das Pössneck-Lehrquartett Geschichte der Schiffahrt wurde in der Altenburger Spielkartenfabrik, Thüringen, DDR, hergestellt und hat 36 Quartettkarten im Pappkarton.Geschichte der Schiffahrt • Pössneck 334 781 3 • 1982 • Titel: Segelschiff • Auch bei diesem Quartett steht eher die Wissensvermittlung als der Spielspaß im Vordergrund. Vom Indianer-Einbaum über Koggen und Klipper bis hin zu Containerfrachter und Luftkissenboot werden diverse Schiffsmodelle vorgestellt. Zeichnungen und Konzept erinnern an das erste Piatnik-Schiffe-Quartett, das jedoch gut zehn Jahre älter ist. Aber auch hier fehlen Angaben zum Trumpfen, womöglich galt dieses darwinistische Spielprinzip als unsozialistisch… Dafür kann man in der beigelegten Minibroschüre schmökern. • Seltenheit ◊◊◊ Wert: €-€€

Der Friede muss bewaffnet sein von Pössneck/Alternburger Spielkartenfabrik ist ein Propaganda-Lehrquartett rund um die Volksarmee im Kalten Krieg.Der Friede muss bewaffnet sein • Pössneck 334 739 9 • 1980 • Titel: MiG 21 „Du wirst Soldat, junger Freund, in ein paar Jahren ist es soweit, und die Zeit trägt Sieben-Meilen-Stiefel.“ Ich frage mich, ob die angesprochenen Kinder die pathetischen Sätze aus dem Begleitheft ernst genommen haben. Vollends lächerlich macht sich dieses Propaganda-Quartett mit seinen Illustrationen, auf denen die als hochmodern und leistungsfähig gepriesene sozialistische Waffentechnik ausschaut wie aus den Fünfziger-Jahren. Gezeigt wird alles, was die Volksarmee im Kalten Krieg aufzubieten hatte, inklusive sowjetische T-55-Panzer und MiG-Jäger und sogar eine Feldbäckerei (bei der Toastbrot-Produktion). Insgesamt ein historisch hoch interessantes Stück DDR. Im Vergleich zu den anderen Pössneck-Spielen sind die Quartette mit politischen Themen übrigens recht gesucht und erzielen ordentliche Sammlerpreise. • Seltenheit ◊◊◊◊ Wert: €€€€

Piraten (ASS)

Das Piraten-Quartett von ASS 712 oder 3212 ist ein altes Schiffsquartett mit Kaperbrief, Wikingerschiff, Drachenboot, Freibeuter, Störtebecker, Bukanier, Vitalienbrüderschiff und Flibustier.ASS 712 • ca. 1969 • Titel: Drachenschiff • Obwohl ich’s als Kind nie hatte, galt dieses Quartett für mich als legendär! Nun, aus heutiger Sicht fällt das Urteil differenzierter aus: Die mehr oder weniger berühmten Kaperschiffe sind durchaus recht schön gemalt und bringen Abenteuergeist und kindliche Seeräuberromantik mit. Aber es fehlt an guter alter Piratenaction, an Enterhaken und Kanonendonner. Und die Schiffe sehen alle ziemlich gleich aus. Ob die technischen Angaben realistisch sind, kann ich nicht sagen. Vielleicht hätte ich dieses einzigartige Schiffsquartett einfach nur in guter, leicht verschwommener Erinnerung behalten sollen… 1971 erschien ein Nachfolger mit der Nummer 3212, mit gleichem Titelbild und gleichen Karten, aber leider mit Berufstipp Polizist statt des nützlichen Kaperbriefs! Bei dieser zweiten Version existieren diverse Rückseiten: Piratenfahne und -pistole in Violett, ASS-Standard in Rot und Violet sowie Werbung der Sparkasse und der Deutschen Bank (passt irgendwie …). • Seltenheit: ◊◊◊ Wert €€-€€€

Schiffs-Quartett (Bielefelder)

Im Schiffs-Quartett von Bielefelder Spielkarten wurden Rebell-Modelle von Schlachtschiffen, Kreuzern, Zerstörern und Passagierschiffen wie der USS Wasp und der USS Alabama verwendet.Bielefelder Spielkarten 0238 • ca. 1973 • Titel: Benledi • Na, was gehörte in den 70ern außer Autoquartetten, Motorradpostern, Zack-Comics und einer geheimen Schatzkiste mit Silvesterknallern und Zigaretten noch ins unaufgeräumte Jungszimmer? Haargenau, eine Flotte von selbst gebastelten Revell- und Airfix-Modellen! Besonders die Titelbilder der Kästen mit ihren bunten Kriegsszenarien hatten geradezu magnetische Wirkung auf Jungs, selbst solche mit zehn Daumen. 32 der spektakulärsten Revell-Coverbilder wurden nun für dieses Schiffsquartett verwendet. Zwar lässt es sich eher schlecht spielen, da man die technischen Daten irgendwo im Beschreibungstext zusammensuchen muss (manche Schiffe haben auch keine). Dafür genießt der Kunstkenner den Nostalgieeffekt, der von diesen maritimen Gemälden ausgeht! Sie zeigen z. B. das Schlachtschiff USS Missouri, den Kreuzer Prinz Eugen, den Flugzeugträger USS Wasp oder das U-Boot USS Nautilus – wunderschön in der Abendröte und oftmals mit dekorativen Bombenspritzern veredelt…

Von dem Spiel gibt es einige Vorgänger-Quartette (Erscheinungsjahre lt. Herbert Kutters Katalog). Bei diesen sind die technischen Angaben separat aufgeführt:

  • 1968: Schiffe, Nr. 0179, Titel Segelschiff (36 Karten)
  • 1969: Schiffe, Nr. 0179, Titel USS United States (36 Karten)
  • 1970: Schiffe, Nr. 0179, Titel USS United States (32 Karten)
  • 1971: Schiffe, Nr. 0179, Titel USS United States + TopTrumpf (32 Karten)

Die Flugzeug-Modelle von Revell wurden ebenfalls in Bielefelder Quartetten verewigt: Flugzeuge, Nr. 0181, und Flugzeug-Quartett, Nr. 0237. Und hier sind dann auch die Phantom und die Spitfire enthalten, die damals auf meinem Bücherregal herumstaubten… • Seltenheit: ◊◊◊-◊◊◊◊ Wert: €-€€

Gut abgestaubt: Quartett-Jagd auf dem Flohmarkt

Hamburger Hallen-Flohmarkt schöne QuartetteLetzten Sonntag war in Hamburg mal wieder Hallenflohmarkt. Das bedeutet, zwei riesige Messehallen sind komplett mit Tapeziertischen möbliert, die sich unter der Last von mehreren Schichten aus Krimskrams, Trödel und Sammlerzeugs der letzten fünfzig Jahre biegen. Pflicht für Autoquartett-Fans! Relativ frühmorgens ab neun reihte ich mich also ein in die Massen, die sich durch die Gänge wälzten. Flohmarkt-Quartettradar angeknipst und auf gehts …

Jedenfalls, nach drei staubigen Stunden und einem Dutzend harter Preisverhandlungen mit diversen Quartettkennern und Ahnungslosen konnte ich eine prallgefüllte Beutetüte nach Hause schleppen! So richtige Raritäten hab ich zwar nicht aufspüren können, aber ein paar ganz nette Quartette für wenig Geld sind mir schließlich doch zugelaufen.

22 alte Quartette sammeln in 3 Stunden

Interessant, wenn auch ohne Box, ist zum Beispiel das Rennfahrer-Quartett von Piatnik. Oder das Rallye-Autoquartett von F.X. Schmid mit seinen lustigen Fehlern. Das Motorräder-Quartett von F.X. Schmid besitze ich schon, hab ich dummerweise mit einer anderen Ausgabe verwechselt (naja, für zwei Euro). Highlights sind PS-Brummer von 1973, die BMW-Karten von Piatnik (werd ich auf diesem Blog mal ausführlicher vorstellen) und die seltene Schweizer Version vom verrückten ASS-Spiel Nasa Super Jets! Die Dubletten und Quartettreste ohne Titelkarte werden wohl demnächst bei ebay oder in meiner Tauschliste landen … jemand Interesse?

Wer sich für die einzelnen Quartette interessiert: Mehr Details dazu auf meiner Facebook-Seite „Autoquartett„.

Windjammer (FX Schmid)

fx-58822_Windjammer_Gorch_Fock_Bounty_SegelschiffsquartettFX Schmid 58822 • 1976 • Titel: Dreimaster • Die schönen großen Segelschiff-Bilder dieses Quartetts dürften auch bei überzeugten Landratten für Freddy-Quinn-Feeling sorgen. Mit Gorch Fock, Constitution, Bounty und Mayflower (jeweils als Nachbauten), Pamir, Cutty Sark und der hübsch verschnörkelten Amerigo Vespucci sind wohl die berühmtesten Großsegler enthalten. Heftige Vorstellung übrigens, dass bei der englischen Victory 850 Mann Besatzung auf 100 Meter Länge zusammengepfercht wurden! Hier in Kürze die Spiele dieser Serie, soweit ich weiß, mit nur wenigen Unterschieden im Kartensatz:

  • 1970–1971: Segelschiffe, Nr. 58822
  • 1972–1977: Windjammer, Nr. 58822
  • 1978: Windjammer, Nr. 58810 (Skatformat)

Danach endete für FXS die Ära der großen Segelschiffe. • Seltenheit: ◊◊◊ Wert: €€